Emily Laquer: „Hallo, ich bin Emily Laquer und ich bin linksradikal“
Emily Laquer: „Hallo, ich bin Emily Laquer und ich bin linksradikal“ Foto: picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa | Daniel Bockwoldt

Grüne Jugend Niedersachsen
 

Offene Ohren und Arme für eine Linksradikale

Linksradikale verfolgen verschiedene Strategien. Da wäre die klassische Agitation auf der Straße und im Internet. Da wäre die Methode der Gewalt und der Einschüchterung, wie sie mutmaßlich die Gruppe rund um Lina E. angewandt hatte. Und da wäre der Versuch, an gesellschaftlich relevanten Themen und Gruppen anzudocken.

Wie das erfolgreich geht, zeigt Emily Laquer. Auf Instagram beschreibt sie sich harmlos als „Aktivistin“. Sicherheitsbehörden ordnen sie hingegen der linksradikalen bis -extremen Szene zu. Beim G20-Gipfel in Hamburg vor vier Jahren, als es zu massenhaften Gewalteskalationen kam, hatte sie als Sprecherin der „Interventionistischen Linken“ eine maßgebliche Rolle gespielt.

„Hallo, ich bin Emily Laquer und ich bin linksradikal“

Am Wochenende sprach sie auf der Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend Niedersachsen. Thema: „Keine Scheu vor der radikalen Linken“. Laut der frisch gewählten Grüne-Jugend-Landessprecherin Pia Scholten begann Laquer ihre Rede mit den Worten: „Hallo, ich bin Emily Laquer und ich bin linksradikal.“ Einen entsprechenden Tweet versah Scholten mit einem Herzchen und kommentierte: „Was ein Einstieg!“

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Pippa Schneider, die zur Kandidatin der Grünen Jugend für die Landtagswahl 2022 gewählt wurde, jubelte: „Emily Laquer mit einer mega empowernden Ansprache auf der Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend Niedersachsen über die Frage, was linke Politik eigentlich ist.“ Laquer kam zu dem Schluß: „Die Ampel ist es nicht!“

Während führende Grünen-Politiker in Berlin zusammen mit SPD und FDP in die Ministerämter drängen, jauchzt ihr Nachwuchs in Hannover über die Rede einer Linksradikalen, die erklärt, warum Rot-Gelb-Grün angeblich keine linke Politik machen könne.

Die Grünen in Niedersachsen scheint das nicht zu stören. Eine entsprechende Anfrage der JUNGEN FREIHEIT ließ der Landesverband unbeantwortet. Dabei ist die Frage nach der Vernetzung mit Linksradikalen nicht nur eine, die den Parteinachwuchs betrifft.

Am Samstag veröffentlichte Laquer anläßlich der Mitgliederversammlung auch ein Selfie mit Julian Pahlke. Auch er bezeichnet sich als „Aktivist“ und ist darüber hinaus „Seenotretter“. Hauptamtlich verdient er seit ein paar Wochen sein Geld als Bundestagsabgeordneter für die Grünen. Das Foto markierten mehrere Grünen-Politiker, Fridays-for-Future-Anhänger und linke Journalisten mit „Gefällt mir“. Bereits in der Vergangenheit machten führende Grünen-Politiker gemeinsame Sache mit der „Interventionistischen Linken“.

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Auftritte in der ARD

Laquers Strategie, in die gesellschaftliche Mitte vorzudringen, trägt nicht nur parteipolitische Früchte. Im Bundestagswahlkampf sendete die ARD ihre „Wahlarena“, in der die drei Kanzlerkandidaten von Bürgern befragt wurden. In der Ausgabe mit CDU-Chef Armin Laschet kam zur besten Sendezeit mehrere junge Frauen zu Wort, die von Laquers „Aktivistinnen-Agentur“ geschult worden waren.

Der verantwortliche Sender NDR hätte dies schon im Vorfeld erfahren können. Schließlich kündigte die Deutsch-Amerikanerin vor der Sendung die „krasse Aktivistin“ an, woraufhin diese kämpferisch betonte, sie werde Laschet „fertigmachen“, sie sei dank Laquers Schulung ja gut vorbereitet. Der NDR wischte auf Welt-Anfrage etwaige Bedenken beiseite: „Persönliches politisches Engagement und Parteimitgliedschaften der Teilnehmenden sind keine generellen Ausschlußkriterien, so lang ein politisches Mandat die Ebene eines Kreisvorsitzes nicht überschreitet.“

Aller Voraussicht nach hat Laquer demnächst auch beste Kontakte zu einer und möglicherweise auch Einfluß auf eine Regierungspartei. Freilich ist das nur bedingt Laquers vermeintlich kluger und fleißiger Arbeit zu verdanken, sie trifft auch auf viele offene Ohren und Arme.

Emily Laquer: „Hallo, ich bin Emily Laquer und ich bin linksradikal“ Foto: picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa | Daniel Bockwoldt
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