Der Ex-Fußballprofi Dennis Aogo warnt vor "Cancel Culture" (Archivbild) Foto: picture alliance / Sielski-Press | Joachim Sielski
Der Ex-Fußballprofi Dennis Aogo warnt vor „Cancel Culture“ (Archivbild) Foto: picture alliance / Sielski-Press | Joachim Sielski

Nach „Quotenschwarzer“-Nachricht
 

Aogo kritisiert Lehmann-Rauswurf bei Hertha BSC

BERLIN. Der ehemalige Fußball-Profi und TV-Experte Dennis Aogo hat die Entlassung von Ex-Hertha-BSC-Aufsichtsrat Jens Lehmann kritisiert und dem Fußballbundesligisten „Cancel Culture“  vorgeworfen. „Daß Hertha ihn aber so schnell von allen Ämtern ausschließt, hätte ich nicht erwartet. Das empfinde ich auch in der Kürze der Zeit als Überreaktion. Das ist ‘Cancel Culture’“, sagte er Spiegel Online.

Vergangene Woche hatte Aogo eine Chatnachricht von Lehmann veröffentlicht, in der dieser Aogo als „Quotenschwarzen“ bezeichnet hatte. Lehmann verlor daraufhin seinen Posten bei Hertha BSC und seinen Job als TV-Experte beim Sender Sky.

Aogo verteidigte seine Entscheidung, die Nachricht zu veröffentlichen. „Es ging mir darum zu zeigen, daß diese kleinen Floskeln, die man hier und da im Alltag gebraucht, eine starke Wirkung entfalten können. Das geht einfach nicht. Deshalb war es mir wichtig, das Thema öffentlich zu machen, eine Debatte anzustoßen.“

Aogo läßt Tätigkeit als TV-Experte ruhen

Er betonte, Debatten seien wichtig. Dazu gehöre jedoch auch, daß man Menschen, die in der Kritik oder in einem Sturm der Entrüstung stünden, Zeit und Raum gebe, um überhaupt richtig an der Diskussion teilzunehmen. Zugleich warnte Aogo: „Wenn wir als Gesellschaft an einen Punkt kommen, an dem jeder direkt von allen Ämtern und Positionen enthoben wird und sich alle von einem distanzieren, dann führt es dazu, daß niemand mehr in Zukunft dazu bereit sein wird, öffentlich für etwas einzustehen.

Aogo selbst erntete nach Lehmann ebenfalls Kritik, da er den Begriff „Vergasen“ während eines TV-Auftritts im Zusammenhang mit dem Trainingsbetrieb von Manchester City verwendet hatte. Daraufhin ließ er seine Tätigkeit als TV-Experte ruhen.

Aogo versteht Palmers Kritik an „Cancel Culture“

Er räumte ein, damit einen Fehler begangen zu haben. „In meiner Jugend war dieser Ausdruck Teil des Sprachgebrauchs, eine verbreitete Redewendung. Das war damals schon genauso falsch wie heute, ist aber so gewesen. Natürlich darf mir das nicht passieren, und leider kann ich es nicht ungeschehen machen.“

Der ehemalige deutsche Nationalspieler äußerte sich auch zum Wirbel um den Facebook-Beitrag von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Der hatte die Debatte um Aogo und Lehmann satirisch kommentiert und Aogo dabei unterstellt, selbst rassistische Begriffe zu verwenden. Der Fußballer stellte klar, daß er inhaltlich nichts gegen die Aktion habe, da sie sich auch gegen die „Cancel Culture“ richte. Sie sei allerdings sprachlich problematisch gewesen. Aber: „Wenn ich das im Kontext betrachte, kann ich die Ironie aber natürlich erkennen.“ (ag)

Der Ex-Fußballprofi Dennis Aogo warnt vor „Cancel Culture“ (Archivbild) Foto: picture alliance / Sielski-Press | Joachim Sielski
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