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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sieht keinen Grund, sich zu entschuldigen Foto: picture alliance / Pressebildagentur ULMER | ULMER
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Cancel-Culture
 

Palmer lehnt Entschuldigung für Aussagen über Aogo ab

TÜBINGEN. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat es abgelehnt, sich für seine Aussagen in der Auseinandersetzung um die Ex-Fußballprofis Jens Lehmann und Dennis Aogo zu entschuldigen. „Diese Entschuldigungsforderungen sind ja Teil der Empörungsrituale, mit denen versucht wird, Leute mundtot zu machen“, sagte er der Zeit. Vielmehr gehe es dabei um die Cancel-Culture, in der er eine ernsthafte Bedrohung für die offene Gesellschaft sehe.

Das Stadtoberhaupt verwies auf die Ereignisse der vergangenen 14 Tage und erinnerte auch auf die Reaktionen auf die #allesdichtmachen-Aktion, mit der Schauspieler die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert hatten. „Ein Ex-Landesminister hat gefordert, die öffentlich-rechtlichen Sender sollten die Zusammenarbeit mit Jan Josef Liefers beenden. Das geht in Richtung Existenzvernichtung. Dann kamen die Auftrittsverbote für Jens Lehmann und Dennis Aogo.“

Palmer hatte in einem Facebook-Beitrag unter anderem eine Äußerung aus den sozialen Medien aufgegriffen, in der Aogo unterstellt worden war, er habe rassistische Begriffe wie „Neger“ zur Selbstbeschreibung verwendet. Palmer betonte, seine Wortmeldung sei satirisch gewesen, aber durch die Beseitigung des Kontextes sei das gegen ihn selbst gewendet worden.

Palmer: „Ich halte den Kopf aufrecht“

Eine Entschuldigung oder das Löschen des Beitrags wäre jedoch ein falsches Zeichen. Palmer äußerte, das wäre „nichts anderes, als den Kopf unters Joch zu halten, um selbst noch einmal davonzukommen. Und ich halte den Kopf aufrecht. Ich mache das nicht.“

Deswegen droht Palmer nun der Parteiausschluß. Er zeigte sich jedoch überzeugt, daß es nicht dazu kommen werde. „Es steht klar im Parteiengesetz, daß ich nur aus der Partei ausgeschlossen werden kann, wenn ich ihr vorsätzlich geschadet habe. Das habe ich nicht getan, im Gegenteil: ich will sie vor Schaden bewahren.“

Auslöser der Rassismus-Debatte war eine Chatnachricht des ehemaligen Fußballnationaltorwarts Jens Lehmann, in der dieser Aogo als „Quotenschwarzen“ bezeichnete. Aogo machte die Nachricht öffentlich, woraufhin Lehmann seinen Aufsichtsratsposten bei Hertha BSC Berlin und seine Stelle als TV-Experte bei Sky verlor. Aogo selbst zog sich von seinem Experten-Posten bei Sky zurück, nachdem Kritik an seiner Verwendung des Wortes „Vergasen“ aufgekommen war. (ag)

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sieht keinen Grund, sich zu entschuldigen Foto: picture alliance / Pressebildagentur ULMER | ULMER
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