Protest gegen Mohrenstraße
Protest gegen Mohrenstraße Foto: picture alliance / NurPhoto
„Decolonize Berlin“

Demonstranten feiern Umbenennung der Mohrenstraße

BERLIN. Rund 300 Demonstranten haben am Sonntag in Berlin die angekündigte Umbenennung der Mohrenstraße gefeiert. Zu der Kundgebung aufgerufen hatte das Bündnis „Decolonize Berlin“ unter dem Motto „Fest zur Umbenennung der M*straße“. Die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte hatte am Donnerstag beschlossen, die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umzubenennen.

Amo gilt als erster Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischen Ursprungs in Deutschland. Amo wurde um 1700 vermutlich im heutigen Ghana geboren und als Kind nach Amsterdam verschleppt. Eine seiner ersten wissenschaftlichen Arbeiten hatte den Titel:„De iure Maurorum in Europa, oder vom Mohren-Recht“.

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„Keiner hätte gedacht, daß das jetzt passiert“

Einen Tag nach dem Beschluß trafen sich Befürworter der Umbenennung zum „Dekolonialen Flanieren mit Anton Wilhelm Amo durch die Mohrenstraße“. Die Nachbarschaftsinitiative Anton-Wilhelm-Amo-Straße fordert bereits seit mehreren Jahren, den Namen Mohrenstraße zu ändern.

„Keiner hätte gedacht, daß das jetzt passiert. Aber vielleicht war es so überraschend doch nicht, denn wir erleben gerade einen Moment, in dem die Bereitschaft wächst, wirklich etwas zu verändern und sich dabei auch mit Rassismus in der öffentlichen Topografie unserer Stadt auseinanderzusetzen“, lobte die Professorin am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität, Regina Römhild, gegenüber dem Neuen Deutschland die Entscheidung.

Die Demonstranten vom Sonntag kritisierten laut RBB das Konzept des Humboldt-Forums. Mehrere Redner hatten demnach darauf hingewiesen, daß es im originalen Hohenzollernschloß minderjährige schwarze Sklaven gegeben habe, die in der Schloßkapelle zwangsgetauft worden seien. Zudem sprachen sie sich gegen die geplante Ausstellung von kolonialen Kulturschätzen aus.

Debatte um vermeintlich rassistische Namen

Im Zusammenhang mit den teils gewaltsamen „Black Lives Matter“-Protesten waren Debatten über vermeintlich rassistische Straßennamen, Denkmäler sowie Namen von Betrieben oder Produkten neu entflammt. Auch in Regensburg forderte am gestrigen „Internationalen Tag der Erinnerung an den Versklavungshandel und seine Abschaffung“ eine Initiative die Umbenennung der Drei-Mohren-Straße.

Eine Apothekerin im hessischen Friedberg hatte vor rund einer Woche entschieden, trotz Protesten an dem Namen „Hof-Apotheke zum Mohren“ festzuhalten. „Mohr ist nicht rassistisch und ich werde den Namen nicht ändern“, betonte sie. Die Apotheke sei 1621 gegründet worden und seit über einhundert Jahren in Familienbesitz. Ihr Herzblut stecke darin, weshalb sie „aus traditionellen und emotionalen Gründen“ an der Bezeichnung festhalten wolle. (ls)

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