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Protest gegen Burschenschaften (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa
Nach Brandanschlägen in Jena

Burschenschaften geben Politik und Hochschule Mitschuld an Angriffen

JENA. Die Burschenschaften in Jena haben der dortigen Universitätsleitung und der Lokalpolitik eine Mitschuld an den jüngsten Anschlägen auf Studentenverbindungen gegeben. „Wir sehen eine Ursache für das steigende Gewaltpotential auch darin, daß die politisch motivierte Verbreitung von Ressentiments uns gegenüber immer stärker begünstigt wird. Auch die Tatsache, daß die systematische Gewaltausübung gegenüber Studentenverbindungen in der Vergangenheit größtenteils ignoriert oder gar mit Verständnis bedacht wurde, fördert das verbindungsstudentenfeindliche Klima in der Stadt“, schrieben die Vorsitzenden der drei Burschenschaften Arminia auf dem Burgkeller, Germania und Teutonia in einem offenen Brief.

Zuletzt hatte es in der thüringischen Universitätsstadt zwei Brandanschläge gegeben. Unbekannte hatten zwei Autos auf dem Grundstück der Germania in Brand gesetzt. Auch das Haus der Arminia war Ziel eines Brandanschlags geworden. Zudem habe es in den vergangenen Jahren wiederholt tätliche Angriffe auf Verbindungsstudenten gegeben.

In dem Zusammenhang kritisierten die Vertreter der Burschenschaften den Jenenser Stadtrat Marcus Komann (SPD) scharf. Er hatte im Mai 2019 den Angriff auf einen Verbindungsstudenten, bei dem dieser verletzt wurde, mit den Worten kommentiert, wer in Jena das Abzeichen einer Verbindung trage, müsse sich bewußt sein, wo er sich bewege. Denn „zum Glück“ sei die Stadt „hauptsächlich linksgerichtet“.

Verantwortliche Stellen sollen friedliche Bevölkerung schützen

Wer „linksgerichtet“ in dieser Weise verstehe, solle sein Demokratieverständnis überprüfen, so die Vertreter der Burschenschaften. Sie forderten die Entscheidungsträger von Universität und Stadt dazu auf, sich gegen die Gewalt zu stellen und die friedliche Bevölkerung zu schützen.

Der Leitung der Friedrich-Schiller-Universität warfen sie vor, die „pauschale und rechtswidrige Ausgrenzung“ der Korporationen von universitären Veranstaltungen zu tolerieren. Dabei gebe es die Verbindungen seit der Gründung der Hochschule vor über 450 Jahren.

Auch in anderen Städten kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Angriffen auf Verbindungen. Neben Jena gilt Göttingen als Schwerpunkt solcher Attacken. In Hessen werden nur wenige Gewalttaten gegen korporierte Studenten aufgeklärt, wie eine Anfrage der AfD ergab. (ag)

Protest gegen Burschenschaften (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa

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