Preisverleihung zum 12. Startsocial-Wettbewerb
Familienministerin Giffey will mehr Frauen in Unternehmensvorständen (Symbolbild) Foto: picture alliance/ dpa
Frauenquote

Nach dem Türsteher-Prinzip

Seit Jahren steht sie als Forderung immer wieder im Raum und nun auch in einem Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey: die verpflichtende Frauenquote für Unternehmensvorstände. Noch in diesem Jahr will die SPD-Frau dafür Sorgen, daß die reinen „Männerclubs“ in den Führungsetagen endgültig der Vergangenheit angehören.

Ein Prinzip, das man von wochenendlichen Feiern in der Diskothek kennt, wo die Türsteher ja auch stets darauf achten, daß der Frauenanteil im Club nie zu gering ausfällt, wohlwissend, daß eine möglichst hohe Frauenquote nicht nur die Stimmung, sondern auch den Absatz alkoholischer Getränke entscheidend steigert. Auf die Idee, dieses Türsteher-Prinzip auch auf das reale Alltagsleben zu übertragen, kann man eigentlich nur kommen, wenn man mit der Realität nicht mehr allzu viel zu tun hat und auch nur dort, wo diese Realitätsferne keine allzu große Rolle spielt.

Hoher Grad an Irrationalität

Daß linke Ideologen die Frauenquote vor allem für die Chefetagen großer Wirtschaftsfirmen fordern, sie für über 100 börsendotierte Unternehmen gar schon durchgesetzt haben, ist durchaus bezeichnend. Auch Giffey käme es wohl kaum in den Sinn, eine Frauenquote für Herzchirurgen oder bei der Feuerwehr zu fordern. Dort, wo es um Leben und Tod geht, weicht die Ideologie dann eben doch ganz schnell dem Pragmatismus. Wenn es hingegen nur um das Überleben von Unternehmen geht, glaubt die moderne Sozialdemokratin, sich die egalitäre Geschlechter- und Sozialromantik leisten zu können.

Allein die Tatsache, daß die Forderung nach einer Frauenquote bei so vielen Frauen auf Zustimmung stößt, entblößt einen steigenden Grad der Irrationalität. Das zeigt sich auch dort, wo Frauenquoten längst zum Widerspruch in einer verrückten Normalität geworden sind. So liegt der Anteil von Frauen unter den Mitgliedern sämtlicher im Bundestag vertretenen Parteien bei deutlich unter 50 Prozent. Dennoch sind männlich-weibliche Doppelspitzen oder ein 50/50-Anteil von Frauen und Männern in den Vorständen mittlerweile fast überall zumindest erwünscht, wenn nicht gar verpflichtend.

Das kann zu paradoxen Situationen führen. Können doch selbst Parteien aus dem linksgrünen Spektrum, wo Quoten fast schon religiösen Charakter haben, ihre eigenen hehren Vorgaben oft nicht erfüllen. Einfach weil sie nicht genug aktive weibliche Mitglieder haben, die bereit wären, einen großen Teil ihres Privatlebens der Politik zu Opfern.

Frauen sind überrepräsentiert

Da sich überzeugte Ideologen aber natürlich nicht einfach so der normativen Kraft des Faktischen beugen, kann es weiblichen Neumitgliedern und selbst bloßen Interessentinnen durchaus passieren, daß sie bereits bei ihrem ersten oder zweiten Ortsverbandstreffen gefragt werden, ob sie nicht Lust hätten, zumindest den Co-Vorsitz zu übernehmen. Etwas, was auf jeden normalen Menschen, egal ob weiblich oder männlich, eher bizarr und abschreckend als in irgendeiner Weise einladend und fördernd wirken dürfte.

Will eine Frau politisch Karriere machen, stehen ihre Chancen dafür, ungeachtet ihrer tatsächlichen Fähigkeiten, heute ziemlich gut. Vor allem in jenen Parteien, die uns permanent einreden wollen, es wäre nicht so. Das zeigt auch ein Blick auf den Frauenanteil unter den Bundestagsabgeordneten. Der liegt bei der Linkspartei zwar nur bei rund 36 Prozent unter ihren Mitgliedern, im Bundestag sind von ihren insgesamt 69 Abgeordneten aber 37 – also mehr als die Hälfte – weiblich.

Bei den Grünen sind es bei rund 40,5 Prozent weiblichen Parteimitgliedern 39 Frauen, denen 28 männliche Fraktionskollegen gegenüberstehen. Die SPD hinkt diesem Trend mit knapp 33 Prozent Frauen in der Partei und 65 weiblichen zu 87 männlichen Abgeordneten zwar noch etwas hinterher, aber auch dort kann es eine Frau wegen ihres Geschlechts deutlich weiterbringen als allein durch ihr Talent. Mit dem entsprechenden Migrationshintergrund mitunter sogar mindestens bis zur Staatssekretärin.

Familienministerin Giffey will mehr Frauen in Unternehmensvorständen (Symbolbild) Foto: picture alliance/ dpa

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