Augsburg
Augsburg: Blumen und Grablichter am Tatort Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Totschlag und gefährliche Körperverletzung

Feuerwehrmann in Augsburg getötet: Haftbefehl gegen Verdächtige

AUGSBURG. Nach der tödlichen Attacke auf einen Feuerwehrmann in Augsburg hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den Hauptverdächtigen und seine Begleiter erlassen. Die Staatsanwaltschaft geht vom dringenden Tatverdacht des Totschlags und gefährlicher Körperverletzung aus. Gegen die anderen sechs Verdächtigen werde wegen Beihilfe zum Totschlag und gemeinschaftlicher Körperverletzung ermittelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag nachmittag mit.

Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 17 Jahre alten Mann, der die deutsche, türkische und libanesische Staatsbürgerschaft besitzt. Der Chef der Augsburger Kriminalpolizei, Gerard Zintl, schilderte, der 49 Jahre alte Feuerwehrmann sei zusammen mit seiner Frau und einem weiteren Ehepaar vom Christkindlmarkt gekommen, als sie auf die siebenköpfige Gruppe getroffen seien.

„Schlag war unvermittelt, von der Seite, mit voller Wucht und war tödlich“

Die beiden Ehemänner seien ein paar Meter hinter ihren Frauen gegangen. Auf Videoaufnahmen sei zu sehen, wie sich die beiden Männer dann umdrehten und zu der Gruppe gingen. Das spätere Opfer sei dann von den sieben Verdächtigen umringt worden. Anschließend habe der mutmaßliche Haupttäter dem Feuerwehrmann ins Gesicht geschlagen. „Der Schlag war unvermittelt, von der Seite und mit voller Wucht und war tödlich.“ Der Hauptverdächtige sei „nicht besonders kräftig“ gewesen und wegen „jugendtypischer“ Delikte, darunter Körperverletzung, aufgefallen.

Als der Begleiter dem Opfer zur Hilfe eilen wollte, wurde auch er von den Männern attackiert und ins Gesicht geschlagen, erklärte Zintl. Er sei „durchaus schwer verletzt“ worden. Die Verdächtigen seien danach sofort geflüchtet. Der Polizei sei vor allem wegen der Videoaufnahmen und Gesprächen mit Jugendarbeitern die Identifikation der Verdächtigen gelungen. Alle sieben Verdächtigen seien in Augsburg geboren. Fünf der sieben Männer im Alter zwischen 17 und 20 Jahren hätten einen türkischen Einwanderungshintergrund.

Polizeipräsident weist Vertuschungsvorwürfe zurück

Polizeipräsident Michael Schwald lobte den „schnellen Ermittlungserfolg“. Er kritisierte Nutzer in sozialen Medien, die die Polizei aufgrund der Nicht-Veröffentlichung von Videomaterial oder näheren Angaben zu den Verdächtigen angefeindet hätten. Es sei nichts vertuscht worden. Im Vordergrund habe die bestmögliche Ermittlung gestanden – „und dem ordnen wir alles unter“.

Der Berufsfeuerwehrmann Roland S. hatte am Freitag abend zusammen mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar den Christkindlmarkt besucht. Als sie diesen später verließen, trafen sie auf dem Königsplatz, der seit Ende 2018 als Kriminalitätsschwerpunkt videoüberwacht wird, auf die siebenköpfige Gruppe. Laut einem Zeugen grölten die jungen Männer herum, woraufhin es zum Streit kam, berichteten die Augsburger Allgemeine und die Bild-Zeitung.

Die Polizei nahm am Sonntag den mutmaßlichen Haupttäter Halid S. fest. Sein ebenfalls 17 Jahre alter Komplize, der Italiener Alessio L., sowie vier weitere Verdächtige wurden ebenso verhaftet. Einer der Männer habe sich gestellt.

Rund 150 Feuerwehrmänner gedachten am Königsplatz ihres getöteten Kameraden. Am Tatort steht geschrieben: „Als Retter gekommen & Als Engel gegangen.“ Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) zeigte sich entsetzt. „Die Gewalttat ist bestürzend und macht fassungslos.“ Zugleich dankte er allen, „die jetzt solidarisch Haltung zeigen und sich zu Gewaltfreiheit und unseren Werten bekennen“. (ls)

Augsburg: Blumen und Grablichter am Tatort Foto: picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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