Stais-Gedenkstätte Hohenschönhausen Foto: picture alliance/imageBROKER
DDR-Gedenkstätte Hohenschönhausen

Waidmanns Heil, Genossen!

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Das Halali ertönt. Von links schallt es aus dem Dickicht, wo sich Jäger und Treiber versammeln, ihren Triumph zu begießen. Denn sie haben ihn zur Strecke gebracht, den Unruhestifter im DDR-Geschichtsfriedwald: Hubertus Knabe, bis Dienstag Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Knast in Berlin-Hohenschönhausen, ist suspendiert worden und soll gekündigt werden.

„Endlich!“ rufen sie aus und lassen die Sektkorken knallen. Und der weiland Oberjägermeister der Schorfheide, der Stasi-Chef Erich Mielke unseligen Angedenkens mag aus der Hölle seinen Waidgenossen auf Erden applaudieren. Sauber erlegt. Blattschuß.

Feinde hat sich Hubertus Knabe viele gemacht: Durch seine Veröffentlichungen zur „Unterwanderten Republik“, in denen er das miese gemischte Doppel aus Intellegenzija West und Tschekisten Ost entlarvte. Als Gedenkstättendirektor prangerte er die Nichtaufarbeitung der DDR-Hinterlassenschaften an, geißelte die Regierungsbeteiligung der umbenannten SED, zu der auch der Berliner Kultursenator gehört, der sein Vorgesetzter wurde und ihn nun als Stiftungsratsvorsitzender entlassen konnte.

Knabe trat DDR-Verharmlosern auf die Füße

Knabe wetterte gegen die Tschekisten-Traditionsverbände und trat den Verharmlosern des DDR-Unterdrückerregimes öffentlichkeitswirksam auf die Füße. Die Gedenkstätte in Hohenschönhausen machte er mit ihrer Authentizität samt den Zeitzeugen-Führungen zum Publikumsmagneten.

Was das Jungrotvolk allerdings so richtig auf die Palme brachte, war die zukunftsorientierte Agenda Knabes: den Kampf gegen den gewaltbereiten Linksextremismus zu fördern. Daß er dafür sogar staatliche Gelder zu akquirieren vermochte – fünf Millionen Euro im Bundeshaushalt –, die doch ausschließlich dem Kampf „gegen Rechts“ vorbehalten sein sollten, das war sein unverzeihliches Sakrileg. „Die Arbeit der Gedenkstätte hat mit seriöser politischer Bildung nicht das Geringste zu tun. Es liegt auf der Hand, daß die Gedenkstätte diese fünf Millionen nicht für ernsthafte Projekte verwendet. Das kann die Gedenkstättenleitung überhaupt nicht, die kann nur polarisieren und emotionalisieren“, ätzte die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke.

Die Intrige ist erfolgreich

Daß dieser antikommunistische Stachel im Fleisch sie weiter ärgern wird, ist sehr unwahrscheinlich. Hohenschönhausen wird mutmaßlich sediert. Damit ist die feingesponnene Intrige erfolgreich, die schon mit den ersten Vorwürfen, es gebe Rechtsradikale unter den in der Stiftung als Gästebetreuer eingesetzten Zeitzeugen und eine klandestin arbeitende AfD- Zelle im Förderverein der Stiftung, einsetzte. Abklatschen können sich nicht nur SED-Altkader und Linken-Senatoren, sondern auch ein früherer SPD-Staatssekretär und ein Journalist der (Ost-)Berliner Zeitung. Waidmanns Heil, Genossen!

Eines ist offensichtlich: Knabe wurde Opfer einer politischen Kampagne. Bis jetzt ist kein konkreter Vorwurf bekannt, der seinen Rauswurf rechtfertigen würde. Oder reicht dafür schon, ein „Frauenbild der 50er Jahre“ zu vertreten? Daß Knabe als Chef im persönlichen Umgang nicht immer „leicht“ war, bestätigen auch Leute, die ihn und seine Arbeit sehr schätzen. Und – auch das gehört leider ins Gesamtbild: Knabe selbst hat andere, die vor ihm Opfer dieser Intrige geworden sind, eiskalt fallengelassen. Sicherlich nicht aus niederen Beweggründen, sondern im Glauben, auf diese Weise die ungestörte Arbeit der Gedenkstätte sicherzustellen. Ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellt. Wie jemand durch eine unheilige Allianz aus Gerüchten und medial verbreiteten Behauptungen madig gemacht – im Stasi-Fachjargon: zersetzt – werden kann, darüber hat der Wissenschaftler Hubertus Knabe viel geforscht und meterweise publiziert. Nun muß er es auch am eigenen Leib erfahren.

Stais-Gedenkstätte Hohenschönhausen Foto: picture alliance/imageBROKER

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