Paul Ziemiak: Der JU-Chef soll Junge und Konservative binden Foto: picture alliance / Sven Simon
Neuer CDU-Generalsekretär

Verräter oder Retter?

Sein politischer Werdegang ist nun in aller Munde und wird in der Jungen Union heftig diskutiert. Paul Ziemiak hat in kürzester Zeit eine Blitzkarriere absolviert. Vor fünf Jahren kannte den 33jährigen, der 1985 als Pawel Ziemiak in Stettin geboren wurde und drei Jahre später mit seinen Eltern in die Bundesrepublik aussiedelte, kaum jemand. 

Damals war er gerade erst Landesvorsitzender der Jungen Union Nordrhein-Westfalen geworden. Als dann der langjährige JU-Bundeschef Philipp Mißfelder 2014 abtrat, warf Ziemiak seinen Hut in den Ring. „Der hat nicht genug Erfahrung, hat noch nie in seinem Leben richtig gearbeitet“, unkte mancher Delegierter des JU-Deutschlandtags. Der junge Politaufsteiger war damals lediglich Werkstudent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Sein erstes juristisches Staatsexamen schaffte er auch im zweiten Anlauf nicht, und ein Studium der Unternehmenskommunikation brach er ohne Abschluß ab. 

Überraschung bei Kampfkandidatur

Unterschätzen sollte man Paul Ziemiak dennoch nicht. Als sich der inzwischen verheiratete Vater eines Sohnes im September 2014 für den JU-Bundesvorsitz bewarb, kam es erstmals seit 1973 zu einer Kampfkandidatur. „Unser Paul“, wie seine Unterstützer in der JU-NRW ihn nennen, überraschte mit einer fulminanten Rede, gewann die Wahl gegen den als Mißfelders Kronprinzen gehandelten Benedict Pöttering. Zwei Jahre später bestätigen ihn die Delegierten mit 85 Prozent im Amt, vier Jahre später mit 91 Prozent – dem besten Ergebnis, das ein JU-Chef je erzielt hat. 

Schon früh verschrieb er sich der Politik. Er wuchs in Iserlohn auf, einer Stadt im Sauerland, der Heimat von Friedrich Merz. Mit 14 trat er der JU bei, wurde Vorsitzender des Iserlohner Jugendparlaments, zwei Jahre später folgte die CDU-Mitgliedschaft. Kommunalpolitische Bodenhaftung gewann er als Unions-Chef seiner Heimatstadt, in der er 2011 auch Ratsherr wurde.

„Er hat uns verraten!“

Nach der Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers zur CDU-Vorsitzenden steht Ziemiak wegen seiner mangelnden beruflichen Qualifikation erneut in der Kritik. AKK hatte einen Mann, der gerade erst ein Jahr dem Deutschen Bundestag angehört, für das Amt des Generalsekretärs vorgeschlagen. Das Votum der Delegierten fiel mit 62 Prozent entsprechend verhalten aus. „Er hat uns verraten!“, zürnen seine Kritiker über ihn angesichts der Tatsache, daß bei der Stichwahl um den Parteivorsitz auffällig viele aus dem Lager Jens Spahns für die Saarländerin statt wie vermutet für den Sauerländer Merz stimmten.

Hat sich der einflußreiche Ziemiak für einen guten Posten „einkaufen“ lassen? Seine Befürworter nennen das eine „Dolchstoßlegende“, sehen in ihm ein konservatives Gegengewicht zu AKK. Wie konservativ der 33jährige wirklich ist, wird er nun beweisen müssen. Vielleicht überrascht er seine Kritiker ja ein weiteres Mal.

JF 51/18

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