Flüchtlinge in Boostedt
Flüchtlinge in Boostedt: Iraker attackierte Frau lebensbedrohlich Foto: dpa
Mord an 20jährigem

Neumünster: Konkrete Hinweise auf Verdächtigen mit Migrationshintergrund

NEUMÜNSTER. Nach dem Mord an einem 20 Jahre alten Polen im schleswig-holsteinischen Neumünster haben sich die Hinweise verdichtet, wonach es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Mann mit Einwanderungshintergrund handelt. Der Verdächtige sei allerdings kein Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte in Neumünster oder Boostedt, sagte Landespolizeidirektor Joachim Gutt laut den Kieler Nachrichten am Montag abend auf einer Bürgerveranstaltung.

„Wir haben Hoffnung, daß wir in den nächsten Tagen mehr dazu vermelden können“, ergänzte der Beamte. Der 20jährige Fliesenleger Krystian J. war am vorvergangenen Sonntag gegen sechs Uhr von einem bislang Unbekannten mit mehreren Stichen in Hals und Rücken attackiert worden. Wenige Stunden später erlag er seinen Verletzungen.

Hintergrund der Veranstaltung sind Pläne, wonach die Landesunterkunft für Flüchtlinge in Neumünster zu einem sogenannten Ankerzentrum ausgebaut werden soll. Die ehemalige Bundeswehr-Kaserne würde dann Platz für 1.500 Asylsuchende bieten. Bisher sind etwa 800 Personen untergekommen.

Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik verschwiegen schwere Messerattacke in Unterkunft

Die rund 500 Bürger in der bis auf den letzten Platz gefüllten Halle zeigten sich Lokalmedien zufolge mehrheitlich skeptisch. Oberbürgermeister Olaf Tauras (CDU) hatte sich bereits vor Beginn der Versammlung positiv geäußert. „Ich halte dies für möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“ Dazu gehörten etwa angemessene Wohnverhältnisse für Flüchtlinge, berichtete der NDR.

Das Ankerzentrum soll ab 2024 das einzige zentrale Aufnahmelager für ankommende Flüchtlinge in Schleswig-Holstein sein. Dann werde auch die Unterkunft im benachbarten Boostedt geschlossen. Dort war es vor anderthalb Wochen zu einem blutigen Familienstreit gekommen. Ein 34 Jahre alter Iraner verletzte seine Ehefrau lebensbedrohlich mit einem Messer.

Als Grote einige Tage darauf auf einer Bürgerversammlung sprach, bei der es auch um Flüchtlingskriminalität ging, verschwieg er die Tat. Nachdem er das Informationsverhalten von Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik zunächst verteidigt hatte, bedauerte er später, dem Fall nicht die hohe Relevanz beigemessen zu haben und sagte, er würde die Situation heute anders bewerten.

Am Dienstag sagte Grote laut Nachrichtenagentur dpa vor dem Innen- und Rechtsausschuß, die Tat hätte keineswegs verschwiegen werden sollen. „Im nachhinein kann dies sicherlich als ein Versäumnis angesehen werden.“ (ls)

Flüchtlinge in Boostedt: Iraker attackierte Frau lebensbedrohlich Foto: dpa

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