Reiner Haseloff: „Gesamte Nation ist jetzt gefordert“ Foto: picture alliance/Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa / JF-Montage
Sachsen-Anhalt

Nach Köthen: Ministerpräsident Haseloff ruft zum Kampf gegen Rechts auf

KÖTHEN. Nach dem Tod eines 22 Jahre alten Deutschen in Köthen hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) einen deutschlandweiten Kampf gegen Rechtsextremismus gefordert. An den Nummernschildern der Anreisenden zum Trauermarsch für das Opfer am Sonntag abend in Köthen habe man erkennen können, daß bundesweit zu der Veranstaltung mobilisiert worden sei, sagte Haseloff laut Reuters am Montag vor dem CDU-Präsidium in Berlin.

„Demzufolge ist es keine Problematik einer einzelnen Stadt, eines einzelnen Landes. Die gesamte Nation ist jetzt gefordert“, unterstrich der CDU-Politiker. „Wir werden die Stadt Köthen auch nicht zugereisten Rechtsextremisten überlassen, die versuchen, das für sich zu instrumentalisieren“, sagte Haseloff.

Kretschmer fordert Zusammenhalt

Ähnlich äußerte sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Rechtsextremisten würden nach Vorfällen wie in Chemnitz und Köthen immer wieder versuchen, die Stimmung aufzuheizen. Dagegen müsse man zusammenhalten. „Deswegen ist es gerade wichtig, daß Demokraten, anständige Menschen auch bei der Wortwahl aufpassen, daß wir nicht das Spiel dieser Menschen mitmachen und leichtfertig die Stimmung anheizen.“

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) mahnte unterdessen zu Besonnenheit. Er habe Verständnis für die Betroffenheit der Bürger über den Tod des 22jährigen. Er bitte aber „trotz der Betroffenheit um Besonnenheit“, sagte Stahlknecht auf einer Pressekonferenz am Montag in Magdeburg.

Laut Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) habe ein erstes Ergebnis der Obduktion ergeben, daß das Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit einem akuten Herzinfarkt erlegen sei. Tödliche Schläge oder Tritte hätten nicht bestätigt werden können.

Ein Tatverdächtiger hätte abgeschoben werden sollen

Über die zwei in Untersuchungshaft sitzenden Afghanen sagte Keding, einer von ihnen habe eine Aufenthaltserlaubnis. Der andere hingegen sei ausreisepflichtig gewesen. Im April habe der zuständige Landkreis seine Abschiebung beantragt, was aber von der Staatsanwaltschaft abgelehnt worden sei, weil noch Ermittlungsverfahren gegen den Verdächtigen liefen, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung.

Einem späteren weiteren Antrag des Landkreises sei dann am 6. September stattgegeben worden, da die Ermittlungen weit genug fortgeschritten gewesen seien. Die geplante Abschiebung sei nun aber wegen der neuen Ermittlungen zu Köthen hinfällig.

Der 22 Jahre alte Markus B. hatte sich am Samstag abend in einen Streit zwischen mehreren Afghanen und einer Deutschen eingemischt. Dabei war er von mehreren Beteiligten attackiert worden und zusammengebrochen. Er starb noch in der Nacht zu Sonntag im Krankenhaus. (krk)

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