Polizei sichert Tatort am Tempelhofer Feld Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa
Arabische Großfamilien

Nach Mord an Intensivtäter: Situation ist bedrohlich

BERLIN. Nach dem Mord an einem polizeibekannten Intensivstraftäter in Berlin-Neukölln befürchten die Sicherheitsbehörden eine weitere Eskalation im Clan-Milieu. Die Situation sei bedrohlich, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin der JUNGEN FREIHEIT. Eine ähnliche Häufung von derartigen Auseinandersetzungen habe es vor einigen Jahren auch im Rockermilieu gegeben. Andererseits biete die Entwicklung jedoch genügend Chancen für neue Ermittlungsansätze. Tatverdächtige gebe es im konkreten Mordfall noch nicht, ergänzte der Sprecher gegenüber der JF.

Nach den bisherigen Ermittlungen war der 36 Jahre alte Nidal R. am Sonntag gegen 17.40 Uhr von zwei Schüssen in den Arm und einem Schuß in die Brust in Berlin-Neukölln niedergestreckt worden. Die Tat soll sich vor den Augen seiner Kinder abgespielt haben. Anschließend seien mehrere Personen mit einem Auto vom Tatort geflüchtet. Zeugen hätten Polizei und Rettungskräfte alarmiert.

Hundertschaft und Mordkommission vor Ort

Der Angeschossene sei reanimiert und von Rettungssanitätern sowie einem Notarzt zur Behandlung ins Benjamin-Franklin-Krankenhaus gebracht worden. Dort sei er seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Polizei hatte zunächst getwittert, es sei zu einer Festnahme gekommen, revidierte die Aussage jedoch am Montag. Eine Hundertschaft und die Mordkommission sind nach Polizeiangaben noch immer am Tempelhofer Feld unterwegs. Es werde nach Patronenhülsen gesucht, hieß es.

Noch am Sonntag abend hatte die Feuerwehr intern vor der Anfahrt zum Klinikum gewarnt, in das Nidal R. eingeliefert worden war. Dort gäbe es eine angespannte Polizeilage, rund 150 Personen würden die Zufahrt zum Krankenhaus blockieren. Die Polizei forderte die Angehörigen auf Twitter auf, „nicht zum Krankenhaus“ zu fahren, „es darf heute Nacht niemand zu ihm“. Laut rbb bedrohten einige der Anwesenden ein Kamerateam des Senders vor Ort. Außerdem sollen am Krankenhaus Scheiben eingeworfen worden sein.

Nidal R. galt als einer der bekanntesten Intensivstraftäter Berlins. Er hatte erst vor wenigen Monaten eine Haftstrafe abgesessen und sich kürzlich laut Bild-Zeitung mit der arabischen Großfamilie Abou-Chaker verbündet. Nach Informationen des Berliner Kuriers galt Nidal R. seit zwei Wochen als massiv gefährdet – aufgrund einer Auseinandersetzung mit einem anderen „Geschäftsmann“.

Abschiebung scheiterte

Schon als Kind war Nidal R. mit dutzenden Straftaten aufgefallen. Seit seinem 15. Lebensjahr landete er immer wieder vor Gericht. 2003 wurden gegen ihn mehr als 80 eingeleitete Ermittlungsverfahren aufgelistet. Diese kriminelle Karriere war damals auch Auslöser für die Berliner Staatsanwaltschaft, die Spezialabteilung 47 für jugendliche Intensivtäter zu gründen. Ein Jahr später scheiterte aufgrund seiner ungeklärten Staatsbürgerschaft eine Abschiebung in den Libanon. Die libanesische Botschaft verweigerte die Ausstellung eines notwendigen Personalausweises.

Insgesamt verbrachte der 36jährige über 14 Jahre in Haft. Die Gründe für seine Verurteilungen sind vielfältig, unter anderem: Raub, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung von Justizpersonal, Drogendelikte und gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr.

Erst in der vorherigen Woche waren zwei Mitglieder aus dem Umfeld einer polizeibekannten Großfamilie in Berlin-Neukölln aus einem Auto heraus angeschossen worden. Ein Zeuge, der die Tat beobachtete, verfolgte laut Polizei die Täter in seinem Auto. Bei der Verfolgungsjagd über die Gradestraße schossen die Täter auch auf ihn. Die Ermittlungen dauern auch hier an. (ha)

Polizei sichert Tatort am Tempelhofer Feld Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa

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