Kritik an Polizei und Staatsanwaltschaft

Silvesterübergriffe: Hamburger Gericht spricht drei Männer frei

HAMBURG. Das Landgericht Hamburg hat drei junge Ausländer von dem Vorwurf freigesprochen, in der Silvesternacht sexuelle Übergriffe begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte Alireza N., Abidi A. und Aydub B. vorgeworfen, gemeinschaftlich mit anderen männlichen Tätern aus der Gruppe heraus junge Frauen sexuell genötigt zu haben, berichtet die Bild-Zeitung.

Das Landgericht sah dies nicht als erwiesen an. Die Richterin äußerte demnach massive Kritik an der Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Sie habe sich erschüttert gezeigt, daß sich das Rechtssystem dem Druck der öffentlichen Meinung und der Politik beuge.

Beschuldigte sollen 18jährige begrapscht haben

Bereits im April war gegen die aus Marokko, Algerien und dem Iran stammenden Männer Anklage erhoben worden. Daß sie zwei Monate danach aus der Untersuchungshaft entlassen wurden, weil das Landgericht keinen dringenden Tatverdacht sah, sorgte für Schlagezeilen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte daraufhin Beschwerde eingereicht, woraufhin das Oberlandesgericht Mitte Juli erneut Haftbefehle ausstellte.

Die Behörde warf den Männern vor, in der Neujahrsnacht gegen 0.45 Uhr eine 18 Jahre alte Frau umringt und körperlich bedrängt zu haben. Das Opfer hatte gemeinsam mit ihren Freundinnen den Neujahrsbeginn auf St. Pauli und am Hamburger Hafen gefeiert. Alireza N. und Aydub B. sollen die Frau in den Intimbereich und an die Brüste gegriffen haben. Abidi A. soll ihr von hinten ans Gesäß gefaßt haben.

410 Anzeigen – ein Verurteilter

Ein namentlich nicht bekannter Mittäter habe währenddessen die Jackentasche der Frau durchsucht. Zudem soll er versucht haben, ihr das Mobiltelefon zu entreißen. Es blieb beim Versuch, woraufhin das Opfer in ein nahegelegenes Lokal geflohen sei.

Nach den sexuellen Übergriffen in der Hamburger Silvesternacht zeigten 410 Frauen Sexualdelikte an, berichtete Zeit Online am Freitag. In den 245 eingeleiteten Verfahren sei bislang kein Sex-Täter von der Großen Freiheit verurteilt werden. Lediglich ein 19 Jahre alter Afghane wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er eine Abiturientin auf dem Heimweg mißbraucht hatte. Die Tat geschah jedoch in einem anderen Stadtteil. (ls)

Silvesterprozeß: Landgericht sieht Taten als nicht erwiesen an Foto: dpa

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