Lucke
AfD-Chef Bernd Lucke: Wichtiger Schritt für die Etablierung der Partei Foto: picture alliance/SuccoMedia/Jan-Timo Schaube

Einzug in die Hamburger Bürgerschaft
 

AfD sieht sich im Westen angekommen

BERLIN. Die AfD-Führung hat den Einzug der Partei in die Hamburger Bürgerschaft als wichtiges Signal für die Etablierung gewertet. „Wir haben gezeigt, daß wir auch mit landespolitischen Themen wahrgenommen werden“, sagte AfD-Sprecher Bernd Lucke am Montag auf einer Pressekonferenz in Berlin. Er verwies darauf, daß der Erfolg in Hamburg nach Sachsen, Brandenburg und Thüringen bereits der vierte Einzug in ein Landesparlament in Folge gewesen sei. Bei der Wahl zum Stadtparlament der Hansestadt hatte die AfD am Sonntag aus dem Stand 6,1 Prozent der Stimmen erhalten.

Der Hamburger AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse sprach mit Blick auf die massenhafte Zerstörung von Plakaten seiner Partei während des Wahlkampfes von einem „besonderen Ergebnis“. Er habe sich vorher nicht vorstellen können, daß so etwas in einem zivilisierten Land möglich sei, sagte er und berichtete von 15.000 AfD-Plakaten, die entwendet worden seien.

Petry zurückhaltend

Allerdings wurden bei der Bewertung des Wahlergebnisses auch Differenzen innerhalb der AfD-Spitze deutlich. Während Kruse von einem „guten Ergebnis“ angesichts eines „relativ begrenzten Wählerpotentials“ sprach, äußerte sich AfD-Sprecherin Frauke Petry skeptischer. „Ich persönlich denke, man hätte mehr schaffen können.“ Dies sage sie aber aus der Entfernung, schränkte die sächsische AfD-Fraktions- und Landeschefin ein. Dennoch sei sie der Meinung, daß die gesamte thematische Breite der AfD von marktliberal bis konservativ hätte besser dargestellt werden müssen.

Sowohl Petry als auch ihr Ko-Sprecher Konrad Adam, die beide dem konservativen Parteiflügel zugerechnet werden, waren vom Hamburger Landesverband nicht in den Wahlkampf einbezogen worden. AfD-Vizechef Alexander Gauland, der ebenfalls diesem Flügel angehört, war in Hamburg lediglich auf einer Wahlkampfveranstaltung aufgetreten. Statt dessen hatte die AfD in der Hansestadt eher auf Vertreter des liberalen Flügels wie Partei-Vize Hans-Olaf Henkel sowie Partei-Chef Lucke gesetzt. Kruse bezeichnete es am Montag als einen Fehler, die drei konservativen Vorstandsmitglieder nicht stärker eingebunden zu haben.

Lucke versuchte dem Eindruck entgegenzuwirken, die Partei sei mit ihrem Abschneiden in Hamburg nicht zufrieden. „Das Ergebnis in Hamburg ist genauso befriedigend wie das in Sachsen“, sagte er. Bei der Wahl im Freistaat Ende August vergangenen Jahres hatte die AfD 9,7 Prozent der Stimmen erreicht. (ms)

AfD-Chef Bernd Lucke: Wichtiger Schritt für die Etablierung der Partei Foto: picture alliance/SuccoMedia/Jan-Timo Schaube
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