Minderheiten

Sinti gehen auf Distanz zu Roma-Einwanderern

HILDESHEIM. Die deutschen Sinti wollen nicht mit eingewanderten Roma in einen Topf geworfen werden. Deren „Integrationshindernisse“ auf die hier lebenden Sinti zu übertragen „ist völlig unakzeptabel“, kritisierte die Sinti Allianz Deutschland eine „irreführende Gleichsetzung zwischen den Ethnien“.

Der Verein hat seine „tiefe Verärgerung“ über die Bezeichnung „Sinti und Roma“ zum Ausdruck gebracht. Sinti und Roma hätten „eine jeweils unterschiedliche geschichtliche und linguistische Entwicklung genommen“ und würden sich darüber hinaus „in ihren Werten, Normen und Verhaltensweisen“ unterscheiden, heißt es in einer Stellungnahme.

Der Vereinsvorsitzende Ricardo Laubinger hat Politik und Medien aufgefordert, das „immer wieder stereotyp verwendete ‘Sinti und Roma’“ zu unterlassen, da diese „irreführende Bezeichnung“ sonst den Eindruck erwecke, „die als deutsche Staatsbürger hier seit über sechshundert Jahren lebenden Sinti seien Ausländer wie die überwiegende Zahl der vor allem in den letzten Jahrzehnten hier eingewanderten Roma“.

Vom Balkan kommen keine Sinti

Tatsächlich sei „Sinti und Roma“ aber eine „Erfindung“ des „Zentralrates Deutscher Sinti und Roma“ aus den achtziger Jahren gewesen und keine Eigenbezeichnung der Sinti. „Dieses Konstrukt wird von der Mehrheit der Sinti in Deutschland vehement abgelehnt“, da diese Bezeichnung eine „Verzerrung historischer Prozesse“ darstelle.

Das geschähe insbesondere „in der momentanen Diskussion um die Zuwanderung von Roma aus Ost- und Südosteuropa“. Würde man von eingewanderten „Roma und Sinti“ aus dem Balkan sprechen, so handele es sich überwiegend um Roma. Der Sinti Allianz seien beispielsweise keine Sinti-Familien aus Bulgarien bekannt. „Sinti sind größtenteils im deutschsprachigen Raum (…) zu Hause“. (FA)

Zigeuner in einem Lager bei Belgrad: Foto: picture alliance / dpa

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