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Presseschau
 

Erdogan stößt auf Ablehnung

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Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan: Selbstbewußtes oder überhebliches Auftreten in Berlin? Foto: Wikimedia/Randam mit CC-Lizenz https://tinyurl.com/nwluo5

BERLIN. Der Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan wird von deutschen Medien überwiegend kritisch gesehen. Der Regierungschef und Politiker der islamischen AKP hatte am Mittwoch anläßlich der Einweihung der türkischen Botschaft in Berlin auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem einstündigen Gespräch getroffen. Dabei stellte er zahlreiche Forderungen an die deutsche Politk.

Erdogan setzte unter anderem der Europäischen Union das Ultimatum, die Türkei bis spätestens 2023 aufzunehmen. Bis dahin werde es „eine ganz andere Türkei“ geben, hieß es nach Angaben von Spiegel-Online vorab auf der Internet-Seite der regierenden AKP. „Wenn sie versuchen, uns bis dahin hinzuhalten, dann wird die EU verlieren, zumindest werden sie die Türkei verlieren“, drohte Erdogan.

„Wir kommen, um Last zu übernehmen“

Scharf kritisierte er dagegen die Aufnahme Zyperns in die EU. Seitdem das Land, im türkischen Sprachgebrauch „Südzypern“ genannt, die EU-Ratspräsidentschaft innehat, hat die Türkei die Beitrittsverhandlungen auf ein Minimum beschränkt. „Daß Südzypern aufgenommen wurde in die EU, das ist ein Fehler gewesen. Und dieser Fehler wächst immer weiter“, sagte er in Gegenwart der Kanzlerin. Diese sicherte der Türkei „ehrliche“ und „ergebnisoffene“ Verhandlungen zu.

Auf einer Tagung des Nicolas Berggruen Institutes brüstete sich Erdogan mit Erfolgen: „Wir erstarken von Tag zu Tag.“ Grund dafür seien Wirtschaftswachstum, Schuldenabbau und eine gut ausgebildete Jugend in der Türkei. „Da sind wir für die europäische Union ein Vorbild.“ Sein Land werde deshalb keine Belastung für die EU sein. „Wir kommen, um Last zu übernehmen.“

„Merkwürdiger Drall ins Halbstarke“

„Ein Bittsteller jedenfalls sieht anders aus. Erdogan kommt, sagt er selbst, um der EU zu helfen und ‘Last zu übernehmen’. Was gut klingen soll, hat wieder einen merkwürdigen Drall ins Halbstarke. Erdogan findet einfach nicht den Ton“, urteilte die Berliner Morgenpost über den Auftritt des Regierungschefs. „Man kann nicht, wie Cem Özdemir nun meint, den Übermut des türkischen Ministerpräsidenten, der auf seiner ungeahnten Erfolgswelle schwimmt, mit einem Beitritt einhegen“.

Skeptisch zeigte sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung über einen türkischen EU-Beitritt: „Die Türken sind nationalistischer als europäische Völker, und der Islam ist ihnen ungleich wichtiger als Deutschen, Bulgaren oder Spaniern ihr Christentum“, heißt es in einem Kommentar von Michael Martens. „Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Türkei liegt auch nach einem Jahrzehnt des Wachstums noch deutlich unter den Vergleichswerten etwa der Slowakei, Polens oder Litauens, und nur knapp über dem von Bulgarien, dem ärmsten Mitgliedstaat der EU.“

„Eine deutlich autoritäre Note“

„Erdogans enormes Selbstvertrauen hat eine deutlich autoritäre Note bekommen“, kritisierte die Financial Times Deutschland den Versuch des Regierungschefs, als lokale Großmacht aufzutreten. „Noch vor nicht allzu langer Zeit posaunte Ankara, seine Außenpolitik folge dem Prinzip ‘Keine Probleme mit den Nachbarn’. Die Türkei sollte der mächtige und zuverlässige Partner aller werden. Jetzt aber steht das Land vor einem Krieg mit dem syrischen Regime von Baschar al-Assad und liegt mit dem Iran, dem Irak und Russland im Clinch.“

Die Welt dagegen sieht den türkischen Ministerpräsidenten bei seinem Auftritt psychologisch im Vorteil. „Erdogan gelingt es in Berlin, an das schlechte Gewissen der Deutschen und Europäer zu appellieren, ja, das Heraushalten seines Landes aus der EU geradezu als unverständlich darzustellen.“ Auch habe Erdogan außenpolitsch an Macht gewonnen: „Mit dem Bürgerkrieg in Syrien, in den sich Ankara militärisch einschaltet, wächst zudem die strategische Bedeutung der Türkei noch einmal. Wieder tritt Erdogan selbstbewusst auf.“ (FA)

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