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Gesellschaft
 

Diskussion um Gaucks Islam-Äußerungen

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Joachim Gauck nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten Foto: Bundesregierung/Kugler

BERLIN. Grünen-Chef Cem Özdemir hat Bundespräsident Joachim Gauck wegen dessen Äußerungen zum Islam kritisiert. „Ich kann diese Differenzierung zwischen Islam und gläubigen Muslimen nicht nachvollziehen“, sagte Özdemir den Ruhr Nachrichten.

Wenn die hierzulande lebenden Muslime zu Deutschland gehörten, dann gehöre selbstverständlich auch ihr Islam zu Deutschland, machte der Grünen-Politiker deutlich.

Gauck hatte sich in einem Interview mit der Zeit von der Aussage seines Amtsvorgängers Christian Wulff (CDU) distanziert, wonach der Islam zu Deutschland gehöre. Den Satz könne er so nicht übernehmen, widersprach Gauck. „Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“

Die Intention Wulffs will Gauck annehmen

Ein-Satz-Formulierungen über Fragen der Zugehörigkeit seien immer problematisch, vor allem, wenn es um so heikle Dinge geht wie Religion gehe. Er könne deswegen auch diejenigen verstehen, die sich fragten: „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?“

Er sei hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islam, sagte der Bundespräsident. Was Wulff mit der Aussage beabsichtigt habe, nehme er aber an.

Positiv äußerte sich dagegen der Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. Gauck breche nicht mit bisherigen Vorstellungen, sondern führe die begonnene Debatte als kluger Moderator fort, lobte Mazyek den Bundespräsidenten gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Gleichzeitig bestritt er, Gauck „Geschichtsfälschung“ vorgeworfen zu haben.

Die Passauer Neuen Presse hatte Mazyek mit den Worten zitierte: „Das europäische Abendland steht ganz klar auch auf muslimisch-morgenländischen Beinen.“ Wer das leugne, betreibe Geschichtsfälschung. (krk)

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