Joachim Kuhs
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Nachruf
 

Otto von Habsburg gestorben

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Otto von Habsburg, langjähriger Präsident der Paneuropa-Union Foto: Bundesarchiv/wikimedia

PÖCKING. Der frühere Kronprinz von Österreich-Ungarn, Otto von Habsburg, ist am Montagmorgen in seinem Haus in Pöcking (Bayern) gestorben. Er war der älteste Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich-Ungarn, langjähriger CSU-Europaabgeordneter und Präsident der Internationalen Paneuropa-Union. Er wurde 98 Jahre alt.

Otto von Habsburgs Vater war Erzherzog Karl, der von 1916 bis 1918 Kaiser von Österreich und König von Ungarn war. Nach dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie ging die Familie 1919 in die Schweiz ins Exil, später nach Madeira. Otto von Habsburg wuchs in Spanien und Belgien auf. Er war ein Gegner des Nationalsozialismus und ein Befürworter der Eigenständigkeit Österreichs.

Rückkehr auf den Thron blieb ihm verwehrt

Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er im amerikanischen Exil für die Wiederherstellung der Monarchie. Dies mißlang. In der Nachkriegszeit setzte sich Otto von Habsburg für die Einigung Europas ein. Von 1973 bis 2004 war er Chef der Paneuropa-Union, die dieses Anliegen vertritt.

Zudem war Otto von Habsburg von 1979 bis 1999 Abgeordneter der CSU im EU-Parlament. Er war Mitglied im Außenpolitischen Ausschuß, wo er sich für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und für Minderheitenrechte einsetzte. Gleich nach seinem Einzug ins Parlament forderte er, einen Stuhl im EU-Parlament freizulassen – für die unterdrückten Völker Osteuropas. Nach dem Ende der Sowjetherrschaft sprach sich Otto von Habsburg für eine rasche Osterweiterung aus.  

Im Jahr 1989 war er der Initiator und Schirmherr eines „Paneuropäischen Picknicks“ an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem mehr als 600 Deutsche aus der DDR in die Freiheit gelangten.

Vertriebene würdigen Einsatz für die Rechte von Minderheiten

Der CSU-Europaabgeordnete Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, würdigte von Habsburg als „den letzten großen Baumeister der Europäischen Einigung aus der Pionier-Generation“, der entscheidend dazu beigetragen habe, den Eisernen Vorhang niederzureißen.

Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach (CDU), sagte, die Vertriebenen verlören mit Otto von Habsburg „einen langjährigen Freund, eine starke Stütze ihrer Anliegen und einen verständnisvollen Vermittler zwischen den europäischen Völkern”. Im Europäischen Parlament habe er sich für die Rechte von Minderheiten und das Selbstbestimmungsrecht der Völker eingesetzt und sich energisch gegen Vertreibung und Kollektivschulddenken“ gewandt. (rg/krk)

JF-Bericht von der 90sten Geburtstagsfeier Otto von Habsburgs.

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