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Israel-Besuch
 

Israel-Besuch: Zentralrat der Juden fordert vom Papst Entschuldigung

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Benedikt XVI.: Der Zentralrat der Juden wirft dem Papst mangelndes Engagement beim Gedenken an den Holocaust vor Foto: JF

ESSEN. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hat von Papst Benedikt XVI. anläßlich dessen Israelbesuches eine Entschuldigung für die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft gefordert.

Zudem warf er dem katholischen Oberhaupt mangelndes Engagement beim Gedenken an den Holocaust vor. Angesichts des geplanten Besuches der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bliebe dem Papst gar nichts anderes übrig, „als sich noch einmal zur Pius-Bruderschaft und zum Bischof Williamson zu äußern“, sagte Kramer der Neuen Ruhr Zeitung/Neuen Rhein Zeitung.

Er fände es zudem eine schöne Geste, wenn sich die katholische Kirche einmal für die jahrhundertelange Verfolgung der Juden entschuldigen würde. Dies sei ein noch nicht geschlossenes historisches Kapitel.

„Johannes Paul II. hat seine Nähe zum jüdischen Volk deutlich gemacht“

Papst Benedikt XVI. war Anfang des Jahres in die Kritik geraten, nachdem er die Exkommunikation der traditionalistischen Pius-Bruderschaft aufgehoben hatte. Deren Bischof Richard Williamson hatte kurz zuvor in einem Interview die Vergasung von Juden im Dritten Reich bezweifelt.

Kramer sagte weiter, Papst Benedikt müsse sich vor allem während seiner Israelreise an seinem Vorgänger Johannes Paul II. messen lassen. Dieser hätte 2000 seine große Nähe zu Israel und dem jüdischen Volk deutlich gemacht.

Papst Benedikt würde sich dagegen dem Holocaust aus einer völlig anderen Perspektive nähern. Johannes Paul habe die Befreiung der Konzentrationslager als junger polnischer Priester erlebt und den Befreiten geholfen. „Das ist natürlich etwas anderes als bei Benedikt, der zur selben Zeit in der Hitlerjugend war – wie unfreiwillig auch immer.“

„Papst Benedikt hat keinen sehr emotionalen Zugang zum Holocaust“

Wenn er sich anschaue, wie Johannes Paul II. sich in Auschwitz bewegt habe und wie Papst Benedikt dies tat, dann könne er schon den Eindruck gewinnen, daß es bei dem einen eine Herzensangelegenheit und für den anderen ein Pflichtprogramm gewesen sei, sagte Kramer.

Er wolle zwar den Papst nicht vorverurteilen, jedoch sei es besonders bitter, „daß ausgerechnet ein deutscher Papst“ offensichtlich keinen sehr emotionalen Zugang zum Holocaust habe.

Benedikt XVI. hat unterdessen bei seiner Ankunft in Israel den Antisemitismus, der „in weiten Teilen der Welt weiterhin sein häßliches Haupt“ erhebe als „absolut inakzeptabel“ verurteilt und zu dessen Bekämpfung aufgerufen.

Laut einem Bericht von Spiegel Online sagte der Papst, er wolle während seines Besuches das Gedenken an die Millionen jüdischen Opfer der Shoah ehren und beten, daß die Menschheit nie wieder Zeuge eines Verbrechens solchen Ausmaßes werde. (krk)

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