Spieker kritisiert Familienpolitik der Bundesregierung

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Die Familienpolitik der Parteien ist in die Kritik geraten. Foto: Pixelio

WETZLAR. Der katholische Sozialethiker Manfred Spieker hat eine Familienpolitik gefordert, die sich wieder mehr am Kindeswohl orientiert. Würde die Familienpolitik ihre Fixierung auf das sogenannte Gender Mainstreaming aufgeben und die sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Ehe, Familie und Kindeswohl berücksichtigen, müßte sie ganz andere Schwerpunkte setzen, sagte Spieker am Wochenende auf einem Kongreß zum biblischen Verständnis von Mann und Frau in Krelingen.

Der Begriff Gender Mainstreaming bezeichnet die gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter. Dieses Ziel soll auf EU- und Bundesebene bis hin zu regionalen Behörden durch zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien umgesetzt werden.

Gleichzeitig will die Bundesregierung durch verschiedene Maßnahmen Frauen den Weg in den Beruf nach der Geburt eines Kindes erleichtern. So soll bis zum Jahr 2013 für jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Krippenplatz zur Verfügung stehen. Damit soll zum einen die Frauenerwerbsquote und zum anderen die Geburtenrate gesteigert werden.

Kein Zusammenhang zwischen Krippenplätzen und Geburten

Laut Spieker stehen jedoch die Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben und die Geburtenrate in keinem Zusammenhang. So habe Mitteldeutschland zwar mit 75 Prozent eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen, zugleich mit durchschnittlich einem Kind pro Frau aber eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Auch die mit 40 Prozent höhere Versorgungsquote an Krippenplätzen habe offenkundig keinen Einfluß. Im Westen gibt es nach Spieker nur für jedes zehnte Kind einen Krippenplatz. Die Geburtenrate sei mit 1,4 aber höher als im Osten.

Der Sozialethiker verwies darauf, daß in den vergangenen zehn Jahren Länder wie Österreich, Finnland, Norwegen und Dänemark ihre Investitionen für den Ausbau staatlicher Kinderbetreuungseinrichtungen gebremst und die direkten Transferleistungen für Familien „in beträchtlicher Höhe“ gesteigert hätten.

Besonderer Schutz für Ehe und Familien

Der Sozialwissenschaftler sprach sich für eine stärkere Förderung der häuslichen Betreuung aus und kritisierte, daß die Bundesregierung versuche, Scheidungen zu entdramatisieren. Dabei seien die Armutsraten, die Schulabbrecherquoten und die Kriminalitäts- und Selbstmordraten bei Kindern unverheirateter oder geschiedener Eltern signifikant höher.

Das Gemeinwohl zahle einen hohen Preis für den Niedergang einer stabilen Ehekultur. Spieker forderte die Familienpolitiker auf, sich wieder am Grundgesetz zu orientieren und Ehe und Familie einen besonderen Schutz zuzuerkennen. Der Staat solle nicht Aufgaben an sich reißen, die die Familie selbst erledigen könne. (idea/JF)

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