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Keine konkreten Hinweise auf Täter in Backnang

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Die Ausländerbauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU) Foto: Bundestag

BACKNANG. Im Fall der Brandstiftung in einem Mehrfamilienhaus im baden-württembergischen Backnang gibt es noch keine heiße Spur. Im Zuge der Ermittlungen haben sich nach Polizeiangaben Mutmaßungen nicht erhärtet, der Brand könne eine rechtsradikale Motivation haben. Bei dem Feuer Samstag früh in einem auch von vielen türkischen Familien bewohnten 13-Parteien-Haus im Zentrum der Kleinstadt waren fünf Mieter durch Rauchgas leicht verletzt worden.

Unbekannte Täter hatten gegen 4:50 Uhr einen Kinderwagen im Hausflur angezündet und dazu vermutlich Brandbeschleuniger oder Benzin verwendet. Eine im Erdgeschoß wohnende Frau entdeckte das Feuer, als sie zur Arbeit gehen wollte. Ein anderer Hausbewohner löschte das Feuer mit einem Feuerlöscher. Nach Polizeiangaben war das Feuer im Kinderwagen, das keine Brandschäden im Treppenhaus verursachte, nicht geeignet, auf das ganze Haus überzugreifen.

Nach ersten Ermittlungen waren der oder die Täter über den frei zugänglichen Hof in das Gründerzeithaus gelangt. Polizisten entdeckten an einer rückwärtigen Wand einen Schriftzug mit Schreibfehler, bei dem die Beamten noch rätseln, ob er als „Jetst alle sterben“ oder eher als „Deutsche alle sterben“ zu lesen ist, sowie zwei verkehrt herum gesprühte Hakenkreuze. Das deute nach Angaben der Ermittler eher nicht auf Rechtsradikale hin.

Integrationsbeauftragte der Bundesregierung mischt sich ein

Tatmotiv könne auch ein Streit unter den Bewohnern oder mit der Nachbarschaft sein. Ob es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Schmierereien und der Brandstiftung gibt, wird noch untersucht. In dem Gebäude wohnen neben Türken ein Deutscher, ein Norweger und eine Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Gestern wurde die Ermittlergruppe auf nun neun Beamte vergrößert und die Ermittlungen ausgedehnt. Dazu sollen weitere Nachbarn vernommen werden, aber auch zahlreiche Taxifahrer, Zeitungsausträger und andere Nachtarbeiter nach Beobachtungen befragt werden.

Unterdessen hat die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, den Opfern des Brandes ihr Mitgefühl ausgedrückt. Sie erwarte, daß die Tat so schnell wie möglich aufgeklärt werde. Sollte das Feuer Folge eines „fremdenfeindlichen Anschlages“ sein, so würde „Null Toleranz“ gelten. „Ich hoffe, daß der oder die Täter schnell gefaßt und hart bestraft werden“, sagte Böhmer am Montag in Berlin.

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