Internetportal StudiVZ löscht konservative Inhalte

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Das Internetportal studiVZ übt sich in Zensur Foto: JF

BERLIN. Auf der Internet-Plattform StudiVZ ist es in den vergangenen Tagen erneut zur Löschung konservativer und rechter Gruppen gekommen. Betroffen war auch die Gruppe von Lesern der JUNGEN FREIHEIT.

StudiVZ ist eines der größten webbasierten sozialen Netzwerke in Deutschland und im Besitz der Holtzbrinck Networks. Die momentan über zehn Millionen registrierten Mitglieder können sich dort zu sogenannten Gruppen zusammenschließen, die die unterschiedlichsten Interessenschwerpunkte – darunter auch Politik – umfassen und sich dabei mit Gleichgesinnten in eigenen Foren austauschen.

Die politische Landschaft ist vielfältig und so gibt es neben diversen Gruppen von Anhängern der SPD, Grünen und CDU auch Ableger der vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), eine Plattform deutsch-türkischer Kommunisten sowie Unterstützer der in Deutschland als kurdische Terror-Organisation verbotenen PKK.

Nutzer kritisieren „intransparente Aktionen“

Gelöscht wurden jetzt Gruppen, die sich positiv auf die Bürgerbewegung Pro Köln und den von ihr veranstalteten Anti-Islamisierungskongreß vom vergangenen Wochenende bezogen. Ohne jegliche Vorwarnung wurden die Gruppen aufgelöst, berichtet Manuel Gambietz. Der StudiVZ-Nutzer ist enttäuscht von den „intransparenten Aktionen“ bei StudiVZ.

Der auf dol2day.de – einer großen mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Politikplattform – zum „Internetkanzler“ gewählte Gambietz war nicht der einzige, der derart überrascht wurde. Gleich mit seinem ganzen account (also seinem virtuellen Dasein bei StudiVZ) wurde Martin Schöppe gelöscht. Auch hier ohne Vorwarnung und Begründung, sagte Schöppe gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Beide berichten von überraschend angenehmen Diskussionen, die sich bei StudiVZ mit Usern muslimischen Glaubens ergeben hätten.

Warum StudiVZ gegen Diskussionen vorgeht, die helfen, gegenseitige Vorurteile abzubauen, machte die beiden besonders stutzig. Schöppe, der auch Jugendbeauftragter von Pro Köln ist, berichtete von massiven Beleidigungen gegen ihn, die sich auf seiner sogenannten Pinnwand – einer Art Gästebuch – wiederfanden. „Dagegen wurde jedoch von StudiVZ nichts unternommen“, beschreibt Schöppe die aus seiner Sicht „doppelten Standards“ der Administratoren.

Praktikanten als Sündenböcke

Bereits zum dritten Mal war auch die Gruppe der Leser der JUNGEN FREIHEIT bei StudiVZ von der Löschaktion betroffen. Auch hier scheint ein Zusammenhang zum Anti-Islamisierungskongreß zu bestehen. Dieser wurde in einem Diskussionsfaden der Gruppe ausführlich besprochen. Auch hier geschah die Löschung ohne Vorwarnung und nachträgliche substantielle Begründung.

Auf Nachfrage erhielt der Gründer lediglich eine vorgefertigte Standardmail, er habe rechtsradikales Gedankengut verbreitet welches nicht geduldet würde. Bei einer vorangegangenen Löschung der JF-Gruppe erklärten die Administratoren, daß es sich dabei um ein „Versehen“ von Praktikanten gehandelt hätte.

Mitarbeiter von StudiVZ erklärten gegenüber der JUNGEN FREIHEIT, daß das Hauptproblem darin bestünde, daß es „keine Kontrollmechanismen für die Löschungsbevollmächtigten“ gebe. So seien häufig „Übereifrige“ in der Lage autark zu entscheiden wer und wann gelöscht würde. Mehrfach hätte man gegenüber der Geschäftsleitung vorgeschlagen, doch ein Gremium zu bilden und die Löschungen besser abzusprechen und den Nutzern transparenter zu machen. Doch bisher hätte es auf diesen Vorschlag keine Reaktion gegeben.

„Mobbing, Verleumdung und rechtswidrige Inhalte“

Dirk Hensing, Chef der Unternehmenskommunikation bei StudiVZ gab gegenüber der JF nur eine allgemeine Antwort wonach Mobbing, Verleumdung und rechtswidrige Inhalte bei StudiVZ nicht gestattet sind. Hensing verweist auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und „unseren Verhaltenskodex“, dem jeder Nutzer bei der Anmeldung zustimmen muß. „Alle Fälle, die uns bekannt sind, werden sofort überprüft und entsprechende Gruppen oder Nutzerprofile werden gelöscht“, sagte Hensing weiter.

Eine Nachfrage bei Nutzern der inkriminierten Gruppen ergab jedoch, daß von „Mobbing, Verleumdung und rechtswidrigen Inhalten“ niemand etwas mitbekommen hatte. Daß die Argumentation Hensing nur vorgeschoben ist, bewiese nach Aussage von Schöppe, daß auch eine Gruppe namens Pro Wesel gelöscht wurde. Der Witz: In ihr soll es nicht einen einzigen Wortbeitrag gegeben haben.

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