Evangelikale verlangen Wiedergutmachung für Rufschädigung

Q-Rage
Die aktuelle Ausgabe von „Q-rage“: Grund für Ärger Foto: JF

STUTTGART. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) soll den Schaden wiedergutmachen, den sie durch verunglimpfende Äußerungen über die evangelikale Bewegung angerichtet hat. Das erwartet der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb. Dieser wird kommende Woche ein Gespräch mit dem Präsidenten der Bundeszentrale, Thomas Krüger, führen.

Krüger und ein von der Bundesbehörde finanziell unterstütztes Schülermagazin hatten schwere Vorwürfe gegen die Evangelikalen erhoben. Das Magazin Q-rage, das in einer Million Exemplaren an 20.000 Schulen verteilt wurde, hatte in einem Beitrag über den Jugendkongreß Christival vom Frühjahr unter anderem behauptet, Evangelikale verbreiteten „erzkonservative, zum Teil verfassungsfeindliche Ideologien“.

„Agitation gegen entschiedene Christen“

Von dem Magazin hatte sich Krüger zwar inzwischen distanziert, jedoch schrieb er in einem Empfehlungsschreiben: „In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.“ Steeb wertet die Äußerungen als „Agitation gegen entschiedene Christen“.

Krüger rücke Evangelikale ohne Begründung in die Nähe von Verfassungsfeinden. Steeb forderte ihn auf, sich öffentlich für diese Darstellung zu entschuldigen und auch gegenüber den Empfängern, den Lehrern und Schülern, „diese Falschbehauptungen in aller Deutlichkeit klarzurücken“.

Steeb äußerte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea die Erwartung, daß die Bundeszentrale „sehr zeitnah ihre Desinformation“ über die Evangelikalen durch eine Information für die Schulen ersetze, in der evangelisches und evangelikales Christsein wahrheitsgemäß dargestellt werde. Krüger solle sich außerdem noch für seine Gleichsetzung von Islamisten und Evangelikalen entschuldigen.

Bundesministerin nennt Broschüre „tendenziös“ und „fragwürdig“

Auch der Vorsitzende des Christival-Trägervereins, Roland Werner, wünscht sich von Krüger eine deutlichere Distanzierung. Dies gelte sowohl für den Beitrag in Q-rage als auch für das Begleitschreiben. In einem Brief an Krüger übte Werner scharfe Kritik an der „verzerrenden“ Darstellung über das Christival: „Deshalb erwarte ich, daß Sie alles Mögliche in die Wege leiten werden, um den entstandenen Schaden wiedergutzumachen.“

Unterdessen hat auch ein Mitglied der Bundesregierung Kritik an der Ausgabe geübt. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) antwortete auf eine Bürgeranfrage im Internet: „Auch ich fand den Inhalt des Heftes ungeeignet für Kinder und Jugendliche. Die Auswahl der Texte und Themen ist tendenziös und pädagogisch höchst fragwürdig.“

Eine Sprecherin des für die BPB zuständigen Bundesinnenministeriums sagte auf Anfrage von Idea im Blick auf mögliche Konsequenzen, Präsident Krüger habe sich „sehr schnell, unmißverständlich und klar“ von der Darstellung in Q-rage distanziert und sich entschuldigt. Das Ministerium sehe vor diesem Hintergrund keinen Anlaß für Konsequenzen (idea/JF).

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