Schlappe für TV-Historiker Guido Knopp

Einen flauen Auftakt erlebte an diesem Dienstag der ZDF-Fernsehhistoriker Guido Knopp mit seiner neuen Filmreihe über die deutsche Wehrmacht („Die Wehrmacht – Eine Bilanz“). Zwar lobten die großen Medien der Republik die Serie pünktlich zum Filmstart ausdrücklich für ihre klare Schuldzuweisung an die deutsche Adresse.

Doch scheint der überwiegende Teil des Publikums dieser mit immergleicher Zielsetzung und Machart vorgebrachten Geschichtsdeutung inzwischen überdrüssig zu sein und blieb weg: Mit 3,58 Millionen Zuschauern lag der Marktanteil der Sendung mit 10,7 Prozent unter dem ZDF-Schnitt.

Das kann man verstehen. In altbekannter Weise versucht Guido Knopp angebliche „Legenden“ zu entlarven, diesmal über die Wehrmacht. Dabei ging es in der ersten Folge unter anderem um die Ausrüstung der deutschen Streitkräfte und um die „Blitzkriegslegende“ des Sieges im Frankreich im Jahr 1940.

Der Historiker Karl-Heinz Frieser vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt hat vor Jahren den Nachweis geführt, daß es der Mut und die Entscheidungen der Offiziere vor Ort in Sedan waren, die diesen Sieg ermöglicht haben, kein starr vorgegebener Feldzugsplan. Zugleich hat sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, daß die Wehrmacht 1939 keineswegs so modern ausgerüstet war, wie es die deutsche und die alliierte Propaganda parallel zueinander behaupteten, die einen zur Abschreckung der eigentlich überlegenen Westmächte und die anderen zur Erklärung der eigenen Niederlage.

Aus dem Fehlen von Feldzugsplänen, Ausrüstung und kriegswirtschaftlicher Vorbereitung in Deutschland könnte man auf das Fehlen von Kriegsabsichten im Jahr 1939 schließen, aber das ist nun gerade nicht die Absicht des ZDF. Vielmehr knüpft diese neue Serie Knopps bewußt an die Versuche des Hamburger Instituts für Sozialforschung an, in seinen Wehrmachtsausstellungen eine Kollektivschuld deutscher Soldaten zu suggerieren und die Wehrmacht zu diesem Zweck so darzustellen, wie es die Rote Armee in der Tat war. Das Publikum merkt inzwischen die Absicht und ist verstimmt.

Dr. Stefan Scheil, ist Historiker und Publizist. 2005 erschien im Olzog Verlagsein Buch „1940/41 – Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs“. 2005 wurde er mit dem Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten ausgezeichnet. Scheil schreibt unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und ist seit 2000 regelmäßiger Autor der Jungen Freiheit.

Die nächste Folge der fünfteiligen Serie zeigt das ZDF am kommenden Dienstag, den 20. November, um 20:15 Uhr.

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