Joachim Kuhs

 

Glosse: Verurteilt FAZ Giordano Bruno?

bd_hoh_2
Martin Hohmann
Bruno
Giordano Bruno (1548 – 1600)

BERLIN. Der italienische Mönch und Philosoph Giordano Bruno hatte mehrere Chancen, seiner Exkommunikation zu entgehen. Er hätte seine Reden und Schriften, die als „magisch“ verstanden wurden, einfach als misslungen und missverständlich bezeichnen können, was sie ganz bestimmt waren.

Wahrscheinlich hätte ihm das sogar sein Seelenheil gesichert. Doch über diese Brücke wollte Bruno nicht gehen. Stattdessen versteifte er sich – ohne Aussicht auf Erfolg – darauf, seine Karriere als politischer Märtyrer fortzusetzen und gegen seine Verurteilung vor dem Inquistionsgericht zu kämpfen.

Sieben Jahre lagen zwischen seiner Anklage und Verurteilung. Brunos Karriere war 1600 dann beendet, er wurde hingerichtet. Sie wäre selbst dann nicht wieder aufgelebt, wenn das Inquisitonsgericht sein Verfahren anders bewertet hätte als die päpstliche Anklage. Und ein Märtyrer wird aus Bruno auch dann nicht mehr, denn dazu gehört nicht nur Unbeugsamkeit, sondern auch das Eintreten für eine gute Sache.

(Frei nach der Glosse „Kein Märtyrer“ in der  FAZ vom 18.12.2007, Seite 10, von Stefan Dietrich zu Martin Hohmanns Niederlage vor dem Bundesgerichtshof in Sachen Parteiausschluß aus der CDU. Die nicht kursiv gesetzten Passagen enstammen der FAZ-Glosse)

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles