LONDON. Drei Tage nach dem Mord an Henry Nowak hatte die zuständige Polizei von Hampshire geplant, den fälschlicherweise einer rassistischen Attacke bezichtigten Studenten als Angreifer darzustellen. „Berichten zufolge hieß es, zwei Männer seien von einem Unbekannten attackiert worden“, hieß es in einem Entwurf einer Pressemitteilung, aus dem die Sunday Times am Sonntag zitierte.
Erst eine Intervention der Hinterbliebenen habe demnach die Veröffentlichung verhindert. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Täter, Vickrum Digwa, den Mord gegenüber seinem Bruder bereits eingeräumt. Die Aufnahme des Gesprächs lag der Polizei vor.
Das Blatt gab zudem bekannt, dass die Oberstaatsanwaltschaft von England und Wales, der Crown Prosecution Service (CPS), die Polizeidirektion abgemahnt hatte. In einer Stellungnahme wollte diese vor angeblicher „Desinformation“ warnen und betonen, dass sie jegliche Fragen erst nach dem Ende des Gerichtsverfahrens gegen den Mörder beantworten würde. Der CPS warnte daraufhin, jegliche Einmischung könnte den Prozess beeinträchtigen.
Während der Festnahme des Täters hatte es die Polizei zudem versäumt, ihn zu entwaffnen. Der 23jährige indischstämmige Sikh durfte sein Zeremonialmesser zur Polizeistation in Southampton tragen, berichtete das Boulevardblatt The Sun am Samstag. Erst nach seiner Durchsuchung wurde ihm das Messer abgenommen. Zudem soll er einigen Quellen zufolge keine Handschellen getragen haben.
Labour-Außenminister: „Der Mörder war ein Brite“
Unterdessen verneinte der britische Außenminister und Vizepremier David Lammy, dass es in Großbritannien eine „Zwei-Klassen-Polizeiarbeit“ gebe. „Ich erkenne sie nicht“, sagte der Labour-Politiker der BBC am Sonntag. Hintergrund war eine Richtlinie der Polizei, wonach Gleichheit der Ergebnisse nicht bedeute, jeden „gleich“ oder „farbenblind“ zu behandeln.
Damit reagierte er auf die Kritik des US-Vizepräsidenten J. D. Vance an der Festnahme Nowaks. „Er starb so, wie eine Zivilisation stirbt: im Stich gelassen, von Behörden gefesselt, die ihm weder vertrauten noch sich um ihn kümmerten, und beschuldigt von Hassverbrechen, die er nicht begangen hatte“, schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst X. Er betonte, die einzige Antwort auf eine „Masseninvasion durch Migranten“ sei „berechtigte“ Wut. „Ich habe ihm gesagt, dass er falsch liegt“, teilte Lammy mit. „Der junge Mann, der dieses Verbrechen begangen hatte, war ein Brite.“
Kontrollorgan sieht „keine Beweise“ für Fehler im Fall Henry Nowak
Der im Dezember mit einem 21 Zentimeter langen Sikh-Zeremonialmesser getötete Nowak war trotz lebensgefährlicher Verletzungen festgenommen worden. Digwa und sein Bruder Gurpreet hatten den Beamten einen rassistischen Überfall gemeldet. Auf einer Bodycamaufnahme (JF berichtete) ist unter anderem zu sehen, wie ein Polizist den Angriff auf Nowak bestreitet. Vergangene Woche war Digwa zu 20 Jahren und 190 Tagen Haft verurteilt worden.
Trotz neuer Informationen stellte die Polizei-Prüfbehörde IOPC laut dem Daily Telegraph fest, für das Fehlverhalten der Beamten gebe es keine Beweise (JF berichtete). In einem Statement bat sie zudem „bei allem Respekt“ darum, nicht weiter über den Ausgang einer laufenden Untersuchung zu spekulieren.

Reform UK kündigte an, die bisherigen Antidiskriminierungsrichtlinien im Fall eines Wahlsieges durch ein „Gleichbehandlungsgesetz“ zu ersetzen. „Damit werden wir die Zwei-Klassen-Polizeiarbeit beenden“, schrieb die Partei auf X. Deren innenpolitischer Sprecher Zia Yusuf beklagte, Weiße seien nun „nachweislich die größten Rassismusopfer in Großbritannien“. Zudem forderte er, die für Sikh vorgesehene Ausnahme vom Messerverbot zu streichen. Labour-Innenministerin Shabana Mahmood wies den Vorschlag zurück. (kuk)







