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Krieg in der Ukraine: Kampf um Kiew: „Heute wird der härteste Tag“

Krieg in der Ukraine: Kampf um Kiew: „Heute wird der härteste Tag“

Krieg in der Ukraine: Kampf um Kiew: „Heute wird der härteste Tag“

Ukrainische Soldaten: Regierung befürchtet Angriff auf Kiew
Ukrainische Soldaten: Regierung befürchtet Angriff auf Kiew
Ukrainische Soldaten: Regierung befürchtet Angriff auf Kiew Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Vadim Ghirda
Krieg in der Ukraine
 

Kampf um Kiew: „Heute wird der härteste Tag“

KIEW. Die ukrainische Regierung hat am Freitag Befürchtungen über einen Angriff russischer Truppen auf die Hauptstadt Kiew geäußert. „Heute wird der härteste Tag“, sagte ein Berater des ukrainischen Innenministeriums laut mehreren Nachrichtenagenturen. Konkret rechne die Ukraine mit Panzerangriffen im Laufe des Tages. Die Verteidiger stünden mit Panzerabwehrraketen bereit, die von internationalen Verbündeten stammten.

Reporter berichteten in den frühen Morgenstunden über russische Panzer, die vor den Toren Kiews stünden. Anderen Angaben zufolge sind russische Soldaten bereits im Norden der Stadt eingedrungen.

Zuvor hatte es in der Nacht mindestens zwei Detonationen in der Hauptstadt gegeben. Nach ukrainischen Angaben handelte es sich dabei um einen Beschuß durch Rußland. „Die Angriffe auf Kiew mit Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen haben wieder begonnen. Ich habe zwei starke Explosionen gehört“, schrieb der stellvertretende ukrainische Innenminister Anton Geraschtschenko auf Telegram. Außenminister Dmytro Kuleba warnte auf Twitter: „Schreckliche russische Raketenangriffe auf Kiew.“

Selenskyj ordnet Generalmobilmachung an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ordente in der Nacht zu Freitag die Generalmobilmachung aller Reservisten und Wehrdienstpflichtigen an. Sie würden wegen der „militärischen Aggression“ Rußlands binnen 90 Tagen zu den Waffen gerufen, hieß es Nachrichtenagenturen zufolge in dem Dekret. Zugleich verbot die Regierung ukrainischen Männern zwischen 18 und 60 Jahren die Ausreise.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko veröffentlichte auf Telegram ein Video, das ein in Flammen stehendes Gebäude zeigt. Laut der Stadtverwaltung sei ein russisches Flugzeug abgeschossen worden. Ob es bemannt gewesen war, sei unklar.

Russen nehmen Tschernobyl ein

Am ersten Tag des russischen Einmarschs sind laut ukrainischen Behördenangaben 137 Personen getötet worden, darunter auch Kinder. Russische Soldaten waren von drei Seiten in das Land vorgedrungen. Dabei attackierten sie auch Ziele im äußersten Westen der Ukraine. Rußlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor beteuert, es handle sich um „Militäroperationen“, die sich gegen die „ukrainische Aggression“ richte. Er wolle die Ukraine „entnazifizieren“ und „entmilitarisieren“. Zugleich wies er Befürchtungen zurück, Moskau hege Pläne zur Übernahme der gesamten Ukraine.

Am Donnerstag war es auch zu Kämpfen um das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl gekommen. Russische Soldaten nahmen den zerstörten Atomreaktor ein. Der Zustand der Anlage ist laut dem ukrainischen Präsidentenberater Mychailo Podoljak nicht bekannt. Atomkraftexperten meldeten allerdings, nach den Kämpfen seien deutlich erhöhte Strahlenwerte gemessen worden.

Scholz: „Gerade erleben wir den Beginn eines Krieges“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verurteilte den Angriff Rußlands auf die Ukraine erneut scharf. Die Lage sei sehr ernst. „Gerade erleben wir den Beginn eines Krieges, wie wir ihn Europa so seit mehr als 75 Jahren nicht erlebt haben“, warnte der Sozialdemokrat am Donnerstag abend in einer Fernsehansprache.

Rußlands Präsident Wladimir Putin versuche, Grenzen innerhalb Europas gewaltsam zu verschieben und womöglich ein ganzes Land von der Weltkarte zu tilgen. Er breche bewußt mit den Grundprinzipien der Charta der Vereinten Nationen und mit der europäischen Friedensordnung. „Putin wird nicht gewinnen“, betonte Scholz.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kritisierte das Vorgehen des Kremlchefs als „menschenverachtend“. Er riskiere das Leben von Kindern, Frauen und Männern, um seine Wahnvorstellungen durchzusetzen. „Wir akzeptieren das nicht als Weltgemeinschaft.“

Biden sichert Ukraine Solidarität zu

US-Präsident Joe Biden (Demokraten) sicherte der Ukraine abermals Solidarität zu. Putin habe die „brutale Militäroffensive“ seit Monaten geplant und nun einen Krieg unter falscher Flagge gestartet. Er sei ein „Aggressor“ und müsse nun die Konsequenzen tragen.

Biden kündigte überdies an, weitere 7.000 Soldaten nach Deutschland zu schicken, um die Nato zu stärken. „Unsere Streitkräfte gehen nicht nach Europa, um in der Ukraine zu kämpfen, sondern um unsere Nato-Verbündeten zu verteidigen und die Verbündeten im Osten zu beruhigen.“ Er hatte bereits Anfang Februar beschlossen, 2.000 US-Soldaten in die Bundesrepublik und nach Polen zu verlegen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron appellierte am Donnerstag abend in einem Telefonat an Putin, die Kämpfe in der Ukraine so schnell wie möglich zu beenden. Das Gespräch sei „offen, direkt und kurz“ gewesen, habe aber keine Wirkung gezeigt“, bedauerte Macron. (ls/zit)

Ukrainische Soldaten: Regierung befürchtet Angriff auf Kiew Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Vadim Ghirda
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