FPÖ-Fraktionschef Herbert Kick (l.) und der zurückgetretene Parteichef Norbert Hofer
FPÖ-Fraktionschef Herbert Kick (l.) und der zurückgetretene Parteichef Norbert Hofer Foto: picture alliance / ROBERT JAEGER / APA / picturedesk.com | ROBERT JAEGER

Überraschender Abgang
 

Hofer-Rücktritt: FPÖ-Landeschefs für Kickl als Parteichef

WIEN. Nach dem Rücktritt Norbert Hofers als Parteichef der FPÖ haben sich mehrere Landeschefs für Herbert Kickl als Nachfolger starkgemacht. Hofers Abgang sei „sehr, sehr überraschend gekommen“, sagte der Kärntner FPÖ-Chef Erwin Angerer laut der Nachrichtenagentur APA. Wenn Kickl die Partei übernehmen wolle, „halte ich ihn für einen möglichen Obmann“.

Ähnlich äußerte sich der Tiroler FPÖ-Vorsitzende Markus Abwerzger. Hofers Rücktritt sei sehr unerwartet gewesen, „aber seine persönliche Entscheidung ist zur Kenntnis zu nehmen“. Kickl solle nun als Interimschef den Posten des FPÖ-Obmanns übernehmen, bis der Parteitag einen neuen Vorsitzenden wähle. Auch der burgenländische Landesparteiobmann Alexander Petschnig sprach sich für Kickl als Parteichef aus, berichtet die Kronen-Zeitung.

Der Steirische Landeschef Mario Kunasek wollte sich in der Debatte um die Nachfolge nicht festlegen, lobte jedoch Hofer für sein „unglaubliches Engagement“ und dafür, „die freiheitliche Bewegung mit sicherer Hand wieder konsolidiert“ zu haben. Auch Wiens FPÖ-Vorsitzender Dominik Nepp lobte Hofer mit Blick auf die jüngsten Umfragewerte, wonach die Partei wieder auf 20 Prozent kam, während die ÖVP unter die 30-Prozent-Marke rutschte.

Rücktritt habe auch mit Streit mit Kickl zu tun gehabt

Hofer hatte am Dienstag nachmittag seinen Rücktritt bekanntgegeben. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter teilte er mit: „Heute ist mein erster Tag nach der Reha – und mein erster Tag nach der Tagespolitik. Ich lege meine Funktion als Bundesobmann zurück und wünsche meinem Nachfolger alles Gute.“ Den Eintrag löschte er kurz darauf wieder. Gegenüber der Tageszeitung Österreich bestätigte er dann: „Ja, ich trete zurück. Ich bin heute aus der Reha zurückgekommen und habe mir das alles überlegt.“

Zudem betonte er, daß die Entscheidung auch mit dem Streit mit Fraktionschef Kickl zu tun hatte. „Ich lasse mir nicht jeden Tag ausrichten, daß ich fehl am Platz bin.“ Bis zur nächsten Wahl wolle er Dritter Nationalratspräsident bleiben. Ob er erneut zur Bundespräsidentenwahl antreten werde, habe er sich noch nicht überlegt.

Die Zeit nach der Ibiza-Affäre sei nicht einfach und die Aufgabe, die FPÖ wieder aufzubauen, eine schwierige gewesen. Es sei aber gelungen, wie jüngste Umfragen zeigten. In den vergangenen Wochen hatte es in der Partei immer wieder Forderungen gegeben, wonach Kickl Spitzenkandidat bei der nächsten Parlamentswahl werden solle, die von Beobachtern als Angriff auf Hofer bewertet wurden, der dem gemäßigteren Lager in der Partei zugerechnet wird.

Kickl: Bin bereit, meinen „Beitrag zu leisten“

Kickl teilte am Dienstag abend mit: „Ziel muß es sein, umgehend die volle Handlungsfähigkeit der FPÖ wiederherzustellen und die vorhandene Geschlossenheit nach außen klar zu dokumentieren.“ Er sei bereit, seinen „Beitrag dazu zu leisten“. Hofer zolle er „Dank und Anerkennung für die Übernahme der Obmannschaft nach der Ibiza-Affäre und für die erfolgte Aufbauleistung im Konzept der Doppelspitze mit unterschiedlichen Rollen und Schwerpunktsetzungen.“

Hofer hatte vor zwei Jahren Heinz-Christian Strache als Parteichef abgelöst, der wegen der Ibiza-Affäre zurückgetreten war. 2016 hatte es Hofer in die Stichwahl zur Bundespräsidentenwahl erreicht, unterlag dort aber knapp dem ehemaligen Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. (ls)

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