Heinz-Christian Strache (r.) und Johann Gudenus
Heinz-Christian Strache (r.) und Johann Gudenus in der Villa auf Ibiza: Erstes Treffen habe in Wien stattgefunden Foto: „Der Spiegel“ / „Süddeutsche Zeitung“ / Screenshot

Spekulationen um Beteiligung von ZDF-Satiriker
 

Drahtzieher hinter Ibiza-Affäre bestätigt Treffen mit Jan Böhmermann

BERLIN. Einer der Drahtzieher des Ibiza-Gate rund um den ehemaligen österreichischen Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bestätigt, im Vorfeld der Affäre den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann getroffen zu haben. „Es gab ein Treffen mit Böhmermann in Köln, wo er die Geschichte erzählt bekam. Er hat aber gemeint, damit will er nichts zu tun haben“, sagte einer der Angeklagten, der Privatdetektiv Julian H., dem Spiegel.

Böhmermann hatte vor Veröffentlichung des Ibiza-Videos durch die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel bei einer Gala eines österreichischen Filmpreises auf die Existenz der Aufnahmen angespielt. Dies sorgte nach deren Bekanntwerden für Spekulationen, unter anderem ob Böhmermann etwas damit zu tun haben könnte.

Die Ibiza-Affäre hatte im Mai 2019 zum Auseinanderbrechen der schwarz-blauen Koalition und mehreren Rücktritten geführt. In den von den Medien veröffentlichten Aufnahmen waren Strache, der FPÖ-Politiker Johann Gudenus und seine Frau, Julian H. sowie eine vermeintliche russische Oligarchennichte zu sehen und zu hören, wie sie unter anderem über potentielle korrupte Geschäfte sprechen.

Anwalt habe versucht, Video zu verkaufen

Julian H., der im Dezember 2020 in Berlin verhaftet worden war und seither in einer Berliner Justizvollzugsanstalt sitzt, gab nun zudem an, der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung hätten kein Geld für die Aufnahmen gezahlt. Allerdings gibt es laut Recherchen der Welt am Sonntag Indizien dafür, daß eine Gruppe aus Deutschland durch Bezahlung einer großen Summe dafür gesorgt haben soll, daß die Aufnahmen bei genau diesen Medien landeten.

H. bestreitet allerdings, es sei ihm vorrangig darum gegangen, mit dem Video Geld zu verdienen. Vielmehr habe er einem ehemaligen Leibwächter Straches mehr Glaubwürdigkeit verschaffen wollen. Dieser hatte über Jahre Belege für mutmaßlich korruptes Verhalten des damaligen Spitzenpolitikers gesammelt.

Allerdings ist laut den Schilderungen des Privatdetektivs der Anwalt des Leibwächters anderer Ansicht gewesen. „Der Anwalt ging immer davon aus, daß sich alle um das Video reißen würden wie um warme Semmeln. Er wollte 2,5 Millionen Euro Minimum erzielen, damit er damit die Quelle, den Leibwächter, absichern und unsere Kosten decken könnte.“

Der Anwalt sei zuerst zu einem österreichischen Unternehmer und Unterstützer der liberalen Partei Neos gegangen. Dieser habe aber abgelehnt. Anschließend habe der Anwalt mit einem ÖVP-Berater sowie SPÖ-Vertretern gesprochen. Auch das habe aber zu keinem Ergebnis geführt. Die Welt am Sonntag hatte zudem berichtet, das Video sei auch ergebnislos einer österreichischen Redaktion angeboten worden.

„Die Leute stellen sich ohnehin alles weit professioneller vor, als es war“

Als Julian H. in Zeitungsberichten von Böhmermanns Andeutung bei der Gala erfahren habe, sei er „aus allen Wolken gefallen und explodiert“, schilderte er nun dem Spiegel. „Ich war überzeugt, daß eine Veröffentlichung nun zwingend ist, auch zu meinem Schutz.“ Eine Woche vor Bekanntwerden der Aufnahmen sei er in eine Ferienwohnung in Bayern gefahren und habe bis zu seiner Festnahme auf Grund eines europäischen Haftbefehls wegen Drogenhandels und versuchter Erpressung in Südeuropa und Deutschland gearbeitet.

Auf die Frage, ob er für die Aktion in irgendeiner Form finanziell entschädigt worden sei, antwortete Julian H.: „Nein. Die Leute stellen sich ohnehin alles weit professioneller vor, als es tatsächlich war. Ich habe niemanden angeheuert, niemanden bezahlt. Ich habe ein paar Bekannte, die mir Gefallen schuldig waren oder die ich für vertrauenswürdig hielt, gefragt – unter anderem die vermeintliche Oligarchennichte, ob sie mir behilflich wären.“ (ls)

Heinz-Christian Strache (r.) und Johann Gudenus in der Villa auf Ibiza: Erstes Treffen habe in Wien stattgefunden Foto: „Der Spiegel“ / „Süddeutsche Zeitung“ / Screenshot
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