Europäisches Parlament

Gelbwesten wollen bei Europawahl antreten

PARIS. Die französische Protestbewegung der Gelbwesten will bei der Europawahl im Mai mit einer eigenen Liste antreten. Am Mittwoch wurden zunächst zehn Kandidaten aus unterschiedlichsten Berufsgruppen vorgestellt. Unter den Bewerbern befinden sich etwa ein Gabelstaplerfahrer, ein Anwalt, eine Hausfrau und ein Verkaufsleiter, berichtet der französische Sender BFMTV.

An der Spitze steht Ingrid Levavasseur, eine 31jährige Krankenpflegerin aus der Normandie. Bis Mitte Februar soll die Liste mit dem Namen „Ralliement d’initiative citoyenne“ (RIC) auf 79 Kandidaten anwachsen. Hierfür wurde eine Ausschreibung gestartet, die allen Bürgern offen steht.

„Die am 17. November 2018 in unserem Land geborene soziale Bürgerbewegung unterstreicht die Notwendigkeit, Wut in ein menschliches politisches Projekt zu verwandeln“, hieß es in einer Mitteilung der Bewegung. „Wir, die französischen Bürger, wollen nicht mehr den Entscheidungen der europäischen Behörden und den Diktaten von Technokraten unterworfen sein, die das Wichtigste vergessen haben: Menschen, Solidarität und den Planeten.“

Gelbwesten-Liste könnte die drittmeisten Stimmen erreichen

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Elabe gibt es viel Zuspruch für die Gelbwesten. Demnach kämen sie mit rund 13 Prozent hinter der Partei „Die Republik in Bewegung!“ von Staatschef Emmanuel Macron und der Nationalen Sammlungsbewegung von Marine Le Pen auf den dritten Platz. Die Umfrage wurde allerdings vor der nun bekannt gewordenen Liste geführt.

Marine Le Pen sieht in der Ankündigung keine Gefahr. Sie widersprach gegenüber dem Fernsehsender CNews Berichten, wonach ihrer Partei dadurch Stimmverluste drohten. „Ich habe kein Problem mit der Liste. Die Frage aber ist, ob die Gelbwesten ihre Unabhängigkeit und Autonomie behalten können.“

Innerhalb der Gelbwesten-Bewegung wurde die Meldung kontrovers diskutiert. In den sozialen Netzwerken warfen einige Gelbwesten Levavasseur „Opportunismus“ und „Verrat“ vor. Sie habe die Bewegung verkauft, da Wahlen nichts ändern werden, kritisierte Maxime Nicolle, unter dem Pseudonym „Fly Rider“ eine der prominentesten Stimmen der Bewegung.

Vorwurf der Polizeigewalt

Die Gelbwesten demonstrieren seit November gegen die Politik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Bei den vergangenen Protesten kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, die wegen der Benutzung von Gummigeschossen in die Kritik geraten ist.

2.000 Demonstranten sollen nach Regierungsangaben seit Mitte November verletzt worden sein, 1.000 Verletzte werden auf seiten der Ordnungskräfte gezählt. Laut Innenministerium gab es zudem bisher elf Tote während der Proteste.

Spitzenkandidatin Ingrid Levavasseur: Unterschiedlichste Berufsgruppen vertreten Foto: picture alliance / AP Photo

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