Schiff vor Lampedusa

Italien fordert EU zur Aufnahme von Mittelmeer-Flüchtlingen auf

ROM. Die italienische Regierung hat die EU aufgefordert, sich an der Aufnahme von weiteren 180 Mittelmeer-Flüchtlingen zu beteiligen. „Die italienische Regierung hält es für unerläßlich, daß die EU-Kommission die direkte Initiative ergreift, um Länder zu ermitteln, die für die Aufnahme der auf dem Meer geretteten Personen bereit sind“, teilte das Außenministerium mit.

Innenminister Matteo Salvini drohte, die Einwanderer, die derzeit auf einem Schiff der Küstenwache vor der Insel Lampedusa festsitzen, wieder nach Libyen zurückzuschicken. „Entweder Europa entscheidet sich, Italien konkrete Hilfe anzubieten, angefangen zum Beispiel mit den 180 Einwanderern an Bord des Schiffs Diciotti, oder wir werden das tun, was definitiv das Geschäft der Schlepper beendet“, sagte er am Sonntag. „Das bedeutet, die im Meer geretteten Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschicken.“

Malta wies Verantwortung zurück

Auf der Diciotti harren 177 Migranten aus. Sie waren am Donnerstag von einem Schiff der italienischen Küstenwache aufgenommen worden. Salvini untersagte ihm jedoch, einen italienischen Hafen anzulaufen. Er warf den maltesischen Behörden vor, das Flüchtlingsboot bewußt in Richtung italienische Gewässer „begleitet“ zu haben. Die Einwanderer seien nämlich in einer Zone gerettet worden, wofür Malta zuständig sei.

Malta wies jedoch jede Verantwortung zurück. Die Flüchtlinge hätten jede Hilfe verweigert und weiter Kurs auf Lampedusa genommen. Regierungschef Joseph Muscat teilte am Sonntag auf Twitter mit, „die einzige Lösung“ für die Einwanderer sei, sie nach Lampedusa zu bringen. Die Diciotti habe die Flüchtlinge im maltesischen Such- und Rettungsgebiet aufgegriffen, „nur, um sie am Eintritt in italienische Gewässer zu hindern“.

„EU muß Häfen für Solidarität öffnen“

Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli reagierte erbost über das maltesische Vorgehen. „Maltas Verhalten ist wieder einmal unerhört und gehört sanktioniert“, twitterte er. Der Minister kritisierte auch die EU scharf: „Die EU muß einen Schritt vorwärtsgehen und seine Häfen für Solidarität öffnen, andernfalls hat sie keinen Grund zu existieren.“

In den vergangenen Monaten war es wegen der Aufnahme von Bootsflüchtlingen immer wieder zu diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Italien und Malta gekommen. Zuletzt erlaubte Malta, dem Flüchtlingsschiff Aquarius das Einlaufen. An der Aufnahme der 141 Migranten beteiligte sich anschließend auch Deutschland. (ls)

Flüchtlinge auf der „Diciotti“ (Archivbild) Foto: picture alliance / ROPI

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