Asylsuchende landen in Italien mit einem NGO-Schiff Foto: picture alliance / Photoshot
Asylkrise

Italien droht EU mit Hafensperre für NGO-Schiffe

ROM. Italien hat der EU gedroht, Schiffe mit Asylsuchenden künftig abzuweisen. Boote, die nicht unter italienischer Flagge fahren, dürften nicht mehr einlaufen, falls die EU Italien nicht umgehend helfe, berichtete die italienische Tageszeitung La Stampa unter Berufung auf Regierungskreise. Dies sei ein aufgrund der „Unhaltbarkeit der Situation“ notwendiger Schritt.

Betroffen davon seien Boote von Nichtregierungsorganisationen (NGO). Die an den EU-Missionen Eunavfor Med und Frontex beteiligten Schiffe dürften weiterhin einlaufen. Allein in den vergangenen Tagen kamen mehr als zwölftausend Einwanderer über das Mittelmeer nach Italien. Die rund 200.000 Plätze für Asylsuchende, inklusive der 20.000 neu geschaffenen, seien voll.

Großteil der Schiffe von Nichtregierungsorganisationen

Erst vor kurzem hatte Italiens Premierminister Paolo Gentiloni (Partito democratico) in Brüssel festgestellt, Italien sei kein Transitland mehr, sondern Zielland. Bis Ende Juni landeten mehr als 70.000 Asylsuchende an Italiens Küsten – rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis Ende des Jahres könnten noch weitere 150.000 kommen.

Der italienische EU-Botschafter Maurizo Massari hatte deshalb am Dienstag dem EU-Migrationskommmissar Dimitris Avramopoulos die „nicht mehr haltbare“ Situation klargemacht. Italien sei nicht mehr in der Lage, weitere Schiffe mit Flüchtlingen aufzunehmen. Die meisten der 22 Boote mit über zwölftausend Asylsuchenden an Bord, die in den vergangenen Tagen landeten, gehörten demnach zu privaten Hilfsorganisationen. Die Kapazitäten für die „Verwaltung und Aufnahme“ seien aufgebraucht.

Im Mittelmeer halten sich mehrere NGO-Boote auf. Etwa das Schiff Sea-Eye der gleichnamigen Flüchtlingshilfsorganisation befand Donnerstag vormittag vor der Küste Libyens. (ls)

Asylsuchende landen in Italien mit einem NGO-Schiff Foto: picture alliance / Photoshot

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