Barcelona-Fans kritisieren Katar
Barcelona-Fans kritisieren Katar: Das Emirat hat seine Finger im Spiel Foto: picture alliance/Pressefoto Ulmer
Unabhängigkeitsbewegungen und der Islam

Strippenzieher aus Katar

Von Südtirol bis Schottland, von Venezien bis Flandern, überall feierten Unabhängigkeitsbefürworter das Ergebnis der Regionalwahlen in Katalonien am Sonntag. Die Sezessionisten stellen ab sofort die klare Mehrheit im 135 Abgeordnete zählenden Regionalparlament. „Katalonien macht es vor“ oder „der demokratische Wille für den Weg in die Freiheit“ wurde durchgesetzt, tönte es aus den Pressestellen von Unabhängigkeitsbefürwortern in Europa.

Die Euphorie macht anscheinend blind. Daß unter den katalanischen Sezessionisten Linksextreme und zwielichtige Islamverbände mitmischen, registriert niemand. Wichtige Fragen werden ausgeblendet: Wie verhielte sich ein kleiner katalanischer Staat gegenüber dem Westen auf der einen und gegenüber Eurasien auf der anderen Seite? Will das unabhängige Katalonien, wo es der Zentralregierung in Spanien entkommen ist, mit offenen Armen in die neosozialistischen Fänge der Brüsseler Bürokraten laufen? Werden die Grenzen angesichts der vorwiegend muslimisch geprägten Flüchtlings- und Einwandererwelle dichtgemacht oder bleiben die Tore offen?

Aus Katar fließen Milliarden

Eine Antwort darauf weiß derzeit niemand zu geben. Deshalb lohnt sich ein Blick auf jene Unterstützer für die Abspaltung, die in den Medien nicht im Rampenlicht stehen. Da wäre etwa Katar. Jenes arabische Emirat, in dem die Scharia gilt und das laut UN-Angaben läppische 221 Flüchtlinge in der aktuellen Krise aufgenommen hat. Mit dessen einzigem Druckmittel Geld kaufte sich Katar gezielt in die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ein.

Einer der Gekauften ist der derzeitige Bayern-München-Trainer Pep Guardiola. Er spielte von 2003 bis 2005 beim Katar-Klub Al-Ahli SC und polterte damals: „Katar ist das freieste islamische Land überhaupt. Sie wollen sich wirklich dem Westen öffnen.“ In einem 16-seitigen Bericht der französischen Illustrierten France Football wird dem ehemaligen Barça –Coach vorgeworfen, elf Millionen Euro an Werbegeldern dafür kassiert zu haben, für die Fußball-WM in Katar 2022 Stimmung gemacht zu haben.

Doch es ist nicht nur der millionenschwere Fußballklub, der gekauft wird. Auch auf der politischen und der Vereinsebene fließen Gelder in Milliardenhöhe. 2014 berichteten spanische Medien über den Bau einer Mega-Moschee in der ehemaligen Stierkampfarena –„sponsored by Qatar“. Das Emirat sei demnach bereit, 2,2 Milliarden Euro für die Arena zu bezahlen, um sie anschließend in eine Moschee mit 40.000 Plätzen und einem 300 Meter hohen Minarett zu verwandeln.

Weg vom Staat, hin zu Brüssel?

Ein wichtiger Kopf dieses Projekts ist ein Syrer, selbstredend ein Gegner Assads. Er gehört den „Katalanen mit Migrationshintergrund“ an, die für eine Unabhängigkeit Kataloniens von Madrid sind. Befürworter der Unabhängigkeitsbewegungen argumentieren gerne damit, daß sie frei sein möchten von den Zwängen des spanischen Zentralstaats. Ob sie in einem Kleinstaat, in dem die Muslime die Mehrheit, die Scharia die Gesetzesgrundlage bilden und Minarette das Stadtbild prägen, mehr Freiheit haben, kann bezweifelt werden.

Befürworter von Unabhängigkeitsbewegungen in Europa sollten sich angesichts der in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zukommenden politisch-wirtschaftlichen Probleme zunächst obige Fragen selbst beantworten. Eine weitere sei ihnen mit auf den Weg gegeben: Spielt die Staatszugehörigkeit in Zeiten von Geldsozialismus, utopisch handelnden und Scheuklappen tragenden Eurokraten und einem durch die Migrationswellen hervorgerufenen radikalen Kulturumbruch wirklich noch die primäre Rolle?

Barcelona-Fans kritisieren Katar: Das Emirat hat seine Finger im Spiel Foto: picture alliance/Pressefoto Ulmer

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