Greg Albritton: „Die Heiligkeit der Ehe kann nicht von einer Regierung von Menschen durchgesetzt werden.“ Foto: gregforsenate22.com/
Vereinigte Staaten

Alabama diskutiert Privatisierung der Ehe

MONTGOMERY. Im Streit um die Einführung der „Homo-Ehe“ im US-Bundesstaat Alabama deutet sich eine Lösung an. Am 9. Februar hatte ein Bundesgericht den Südstaat angewiesen, Ehelizenzen an heiratswillige Schwule und Lesben auszustellen. Alabamas konservativer oberster Richter, Roy Moore (Montgomery), hatte dies den Behörden hingegen untersagt.

Bei Ehelizenzen handelt es sich um ein von Behörden ausgestelltes Dokument, das bestätigt, daß zwei Menschen gemäß den herrschenden Gesetzen den Bund der Ehe eingehen dürfen. So wird beispielsweise vor Erteilung einer solchen Erlaubnis geprüft, ob jemand rechtskräftig geschieden ist. In manchen Bundesstaaten ist auch ein vorheriger Bluttest erforderlich, durch den geprüft werden soll, ob einer der beiden Heiratswilligen an der Geschlechtskrankheit Syphillis oder an HIV leidet.

Den juristischen Disput wollen Alabamas Politiker nun durch eine Änderung des Eherechts beilegen. Am 19. Mai hat der Senat des Bundesstaates in der Hauptstadt Montgomery einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach zwei erwachsene Personen künftig keine staatliche Genehmigung mehr benötigen, um heiraten zu können.

„Heiligkeit der Ehe kann nicht von Menschen durchgesetzt werden“

Der konservative Senator Greg Albritton, der den Gesetzesantrag eingebracht hatte, sagte dazu: „Sobald man dem Staat die Tür öffnet, in persönliche oder religiöse Angelegenheiten einzugreifen, schafft das Schwierigkeiten.“ Die gegenwärtige Praxis, daß die Regierung definiere, wer heiraten dürfe und wer nicht, decke sich nicht mit der Geschichte der USA.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe sich die Regierung aus der Eheschließung in vielen Bundesstaaten weitestgehend herausgehalten. Albritton betonte: „Die Heiligkeit der Ehe kann nicht von einer Regierung von Menschen durchgesetzt werden.“ Statt wie bisher von einer „Ehelizenz“ spricht das neue Gesetz von einem „Vertrag“ zwischen den heiratswilligen Partnern, der bei einem Notar unterzeichnet werden kann.

Das Repräsentantenhaus des Bundesstaates muß der Regelung noch zustimmen. Von dem für den Sommer erwarteten Urteil des Obersten Gerichtshofs in Washington zur „Homo-Ehe“ wäre Alabama somit nicht betroffen. Alabama wäre der erste US-Bundesstaat, der Ehestandsfragen privatvertraglich regeln würde. (idea/ho)

Greg Albritton: „Die Heiligkeit der Ehe kann nicht von einer Regierung von Menschen durchgesetzt werden.“ Foto: gregforsenate22.com/

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