Königlicher Ausgleich

Im Streit zwischen dem Adelshaus Wettin und dem Freistaat Sachsen um wertvolle Kunstgegenstände aus den staatlichen Museen zeichnet sich eine Lösung ab. Noch im Januar soll ein Vertrag über die Rückgabe der Kunstschätze aus den Beständen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden geschlossen werden. Darin werde festgelegt, bis wann die Rückgabeforderungen geregelt werden, verkündete Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD). Es ist nicht der erste Vertrag, den das Land mit den Wettinern schließt. Nach der Abdankung des letzten sächsischen Königs 1918 kam es 1924 durch Volksabstimmung zu einer Fürstenabfindung. Freistaat läßt Familiensitz verfallen Sie legte fest, was der Freistaat und was das Königshaus erhielt. Nach Ende des Nationalsozialismus wurden die Wettiner, obwohl selbst verfolgt, von der SED enteignet. Erst 1999 erhielte das Adelshaus nach langjährigem Rechtsstreit 6.000 Kunstwerke aus den Staatlichen Kunstsammlungen zurück. Weitere 12.000 wurden für rund 12,1 Millionen Euro vom Freistaat erworben. Allerdings enthielt der Vertrag eine Öffnungsklausel für den Fall, daß weitere Gegenstände in den Beständen der Museen auftauchen. Und das ist offenbar eingetreten. Die Rechtsanwälte der Wettiner haben Listen vorgelegt, welche Gegenstände sie in welchen Dresdner Museen vermuten. Bekannt ist, daß es diesmal um etwa 2.000 Porzellane, 139 Gemälde, etwa 30 Skulpturen, mehrere Hundert Objekte aus dem Grünen Gewölbe sowie Bücher und Gemälde geht, auf die das Königshaus Ansprüche erhebt. Die Rechtslage ist eindeutig. Nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 müssen Privatpersonen, die zwischen 1945 und 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone enteignet wurden, bewegliche Sachen zurückerstattet werden. Eine Rückgabe von Immobilien ist nicht vorgesehen. So kämpften die Wettiner vergeblich um ihren einstigen Familiensitz Schloß Wachwitz in Dresden. Daß der Freistaat dieses lieber verfallen läßt, als es den Nachkommen des letzten Königs zu übereignen, stößt bei dem 82 Jahre alten Chef des Hauses Wettin, Maria Emanuel Markgraf von Meißen und Herzog zu Sachsen, auf wenig Verständnis. Um das Thema Restitution ein für allemal vom Tisch zu bekommen, hat die Staatsregierung zudem ein 15 Millionen schweres Programm beschlossen. Die Bestände der Kunstsammlungen Dresden sollen lückenlos inventarisiert und alle Gegenstände auf ihre Herkunft und Geschichte überprüft werden.

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