Resoluter Schulterschluß gegen Rechtsaußen

Es gibt Studien und Erhebungen, deren Ergebnisse nicht spektakulär sein müssen, um Aufsehen zu erregen. Eine solche Studie, die es durchaus in sich hat, ist unlängst vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) vorstellt worden. Es geht hierbei um die Bedeutung des Themas „Rechtsextremismus“ in den deutschen Printmedien. Forschungsgegenstand waren insgesamt 8.946 Pressekommentare und Leitartikel der Zeitungen Die Welt, Frankfurter Allegemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau und taz zwischen 1994 und 1998. Das Ergebnis verwundert kaum – „Rechtsextremismus“ ist vor allem ein „linkes“ Thema. So sind es vor allem FR und taz, die dem Thema im Meinungsbereich besonders viel Platz einräumen. Bei der taz machte das Thema insgesamt 2,4 Prozent der Kommentarthemen aus, bei der FR immerhin noch 1,5 Prozent. Zum Vergleich waren es bei der Welt nur 0,7 und bei der FAZ 0,9 Prozent der Kommentarthemen. Die vom WZB als Repräsentantin der „leicht linksliberalen Mitte“ eingestufte SZ widmete insgesamt 1,2 Prozent ihrer Kommentare dem „Rechtsextremismus“. Eindeutig sei auf der Meinungsebene der Befund – darauf legt das WZB besonderen Wert -, daß sich die fünf „überregionalen Qualitätszeitungen in der völligen Ablehnung rechtsextremistischer Akteure einig sind“. Es gebe im „meinungsführenden Pressebereich“ einen „resoluten Schulterschluß“ gegen „Rechtsaußen“. Als Ursache für die unterschiedliche Gewichtung des Themas wird vor allem angeführt, daß für die „eher linken“ Zeitungen das „Objekt ihrer Anklage politisch auf der anderen Seite“ stehe. Das eigentliche Problem beginnt, wo die Studie endet Gegenteilig verhalte es sich übrigens mit dem Thema „Ausländer“, so das WZB in seinem Bericht. „Eher rechte Zeitungen widmen sich dagegen vergleichsweise häufig diesen Objekten“, heißt es in den WZB-Mitteilungen. Die Welt assoziiere mit dem Begriff Ausländer vor allem eines: Probleme. „Die Grundthese bezieht sich hier darauf, ‚daß der jahrelang unkontrollierte Zustrom von Flüchtlingen zu jenen Spannungen und Ausschreitungen geführt hat, die eine Umkehr der deutschen Asylpolitik zwingend notwendig machen'“, zitiert das WZB die Welt vom 19. Juli 1995. Als Ergebnis der „kleinen Analyse“ hält der ehemalige WZB-Präsident Friedhelm Neidhardt fest, daß es den Massenmedien bei der Plazierung ihrer Themen weniger um einen „offenen Schlagabtausch kontroverser Positionen zu ein und demselben Thema“ gehe, sondern daß sie „indirekt und subtil vorgehen“. Dies geschehe vor allem durch die Durchsetzung von Themen, deren „Meinungsladung“ den eigenen politischen Ansichten möglichst nahestehe. „Themen, deren Valenz den eigenen Überzeugungen und Interessen abträglich sein kann, werden eher gemieden“, so Neidhardt. Was heißt das für die Leser der genannten „Qualitätszeitungen“? Das Problem beginnt eigentlich erst dort, wo Neidhardt – quasi nur mit einer Andeutung – seine Studie abschließt. So stellt er fest, daß „der mit sich selbst streitende Pluralismus der Meinungsträger“ garantiert nicht am Stillschweigen über „Verfassungsfeinde“ von rechts leide, sondern „eher an deren Überinszenierung“.

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