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Minarettbau leicht gemacht

Das ARD-Magazin "Report" aus München berichtete am 2. Februar über den Berliner "Problemkiez" Neukölln. In diesem Viertel rund um den Hermannplatz tummeln sich 40 Nationalitäten, der Ausländeranteil beträgt offiziell 37 Prozent. Unter den deutschen Bewohnern ist der Anteil sozial Schwacher überdurchschnittlich hoch, Betrunkene und Rauschgiftsüchtige gehören zum Straßenbild. Gewaltkriminalität, Raubüberfälle und offener Drogenhandel sind im Neuköllner Norden normaler Alltag. Ein Beispiel gescheiterter Stadtentwicklung nennt "Report" dieses Viertel – genauso gut könnte man es als Anschauungsobjekt für das vollständige Scheitern multikultureller Träumereien bezeichnen.

In der Abmoderation zu dem Beitrag zitierte der Sprecher einen internen Berliner Polizeibericht, aus dem hervorgeht, daß kriminelle arabische Großfamilien verstärkt den Bau von Moscheen zur Geldwäsche nutzen – ein pikantes neues Detail in der in den letzten Monaten intensiver gewordenen öffentlichen Diskussion um das Thema "Moscheebau". Die zunehmende Zahl von Moscheebauprojekten ist ein Anzeichen für das gestiegene Selbstbewußtsein der islamischen Religionsgemeinschaft in Deutschland.

Wie Moscheen trotz Protest durchgesetzt werden können

Seit langem werden die Ziele der islamischen Vereinigungen und Dachverbände von Multikulti-Verfechtern aus Politik, Behörden, christlichen Kirchen und Medien unterstützt. Was in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen wird: Auch Unternehmen leisten vermehrt Schützenhilfe. So hat die Herbert-Quandt-Stiftung der Altana AG eine Broschüre mit dem Titel "Der Weg zur Moschee – eine Handreichung für die Praxis" veröffentlicht.

Verfasser der Studie ist ein Autoren-Trio unter Leitung von Claus Leggewie, seines Zeichens Direktor des Zentrums für Medien und Interaktivität an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Leggewie ist durch zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen Einwanderung, multikulturelle Gesellschaft, Konservatismus und Rechtsradikalismus bekannt geworden, unter anderem im ultralinken Berliner Rotbuch-Verlag.

Die Broschüre wendet sich an alle, die mit Moscheebauten zu tun haben, also die Moscheebauvereine, die zuständigen Baubehörden, Kommunalpolitiker, die Lokalpresse, örtliche "Multiplikatoren" und die Anwohner im Wohn-umfeld von Moscheen. Ziel der Veröffentlichung ist nach Angaben der Autoren ein "Beitrag zum Dialog der Kulturen". "Wenn Anträge auf den Neu- oder Umbau von Moscheen gestellt werden, kommt es immer wieder zum öffentlichen Streit. Diese Handreichung soll ganz praktisch dazu beitragen, daß mögliche Konflikte rechtzeitig erkannt und mit einem für alle Beteiligten zufrieden stellenden Ergebnis bearbeitet werden", heißt es in der Einleitung.

Tatsächlich stehen die praktischen Aspekte ganz im Vordergrund. Nach einer allgemeinen Einleitung über Muslime und Moscheen in Deutschland und "Moscheekonflikte" wird an vier konkreten Fallstudien aufgezeigt, wie unterschiedlich in Ablauf und Ergebnis sich solche Konflikte gestalten können. Diesem Kapitel schließen sich ausführliche "Handlungsempfehlungen" an, die sich an die jeweiligen Akteure richten. Ein Serviceteil mit Adressen zahlreicher Einrichtungen – von Ausländerbeauftragten bis zu den islamischen Dachverbänden – rundet das ganze ab.

Ihrem Anspruch, zur gegenseitigen Verständigung beizutragen, werden die Autoren durch eine sachliche Darstellung gerecht. So werden Gegner von Moscheebauten nicht pauschal unter den Verdacht der "Ausländerfeindlichkeit" gestellt, sondern ganz profane Sorgen über Lärmbelästigung und Parkplatznöte werden durchaus ernst genommen. Moscheebauvereinen wird erklärt, daß sie sich bei Heimlichtuerei oder unprofessioneller Kommunikation nicht wundern dürfen, wenn ihrem Vorhaben mit Skepsis begegnet wird.

Hilfreich sind sicher auch solche Tips für den Umgang mit der Bauaufsichtsbehörde: "Die Antragsteller müssen sich klar machen, daß hier prinzipiell kein Handlungsspielraum in der Weise besteht, daß Regeln in einem Fall angewendet werden, in einem anderen aber nicht; sie müssen sich also nicht Behördenmitarbeiter gewogen machen, um ein günstiges Ergebnis zu erzielen."

Was hat nun die Herbert-Quandt-Stiftung bewogen, islamischen Vereinen den "Weg zur Moschee" zu ebnen? Die Antwort erschließt sich, wenn man die Studie nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren internationalen Projekts betrachtet. 1996 hat die Stiftung gemeinsam mit dem britischen Verleger Lord Weidenfeld of Chelsea den "Trialog der Kulturen" ins Leben gerufen. Nach eigenen Angaben der Stiftung dient dieses Projekt dem "Gedankenaustausch einflußreicher Persönlichkeiten aus den Kulturräumen der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam".

Ziel ist eine "Entdämonisierung kultureller Differenz", um somit die Gefahr des vom US-amerikanischen Historiker Samuel Huntington beschriebenen Szenarios eines "Kampfes der Kulturen" zu vermindern. Die auf den jährlichen Trialog-Konferenzen gewonnenen Erkenntnisse sollen durch entsprechende Projekte in die Praxis umgesetzt werden, und so kam es auch zu der Moschee-Broschüre.

Kulturelle Konflikte stören den Globalisierungsprozeß

Die Stiftung wurde 1980 durch die Altana AG anläßlich des 70. Geburtstags von Herbert Quandt gegründet. Quandt hatte die aus der Varta AG hervorgegangene Altana AG lange Jahre geführt, ist aber vor allem durch die Übernahme eines großen Aktienpakets der damals schwer kriselnden BMW AG im Jahr 1960 bekannt geworden.

Im Stiftungsrat der Herbert-Quandt-Stiftung sitzt auch jener Lord Weidenfeld, der das Trialog-Projekt angestoßen hatte. Mit dem umtriebigen Lord hat sich die Stiftung eine international einflußreiche Persönlichkeit ins Boot geholt, die auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann. 1938 aus Österreich nach England emigriert, arbeitete Weidenfeld zunächst für die BBC und gründete 1948 mit Nigel Nicholson den Verlag Weidenfeld & Nicholson. 1976 wurde er auf Vorschlag des britischen Premierministers Harold Wilson, als dessen enger Berater er fungierte, in den Adelsstand erhoben und erhielt einen Sitz im Oberhaus.

Dort "wirbt er vor allem für die Politik Israels", wie man einer biographischen Skizze entnehmen kann. Dieses Anliegen scheint allerdings mitunter mit dem Ziel einer "Verständigung der Kulturen" zu kollidieren, wie man zum Beispiel einer Kolumne entnehmen kann, die Lord Weidenfeld am 18. Oktober 2001 in der Tageszeitung Die Welt veröffentlichte. In dieser Kolumne verbreitete er ungeniert das Märchen, daß Saddam Hussein "sein Riesenarsenal von chemischen, biologischen (und nuklearen) Waffen ganz ungestört gegen die Bestimmungen der Weltgemeinde" aufbaut.

Lord Weidenfelds Image als "Brückenbauer" und seiner Stellung im Stiftungsrat hat dies offensichtlich überhaupt nicht geschadet. Für den Geldgeber der Stiftung dürfte die Reputation des mit zahlreichen Auszeichnungen geehrten und in vielen internationalen Gremien vertretenen Lords außer Frage stehen. Die Altana AG ist ein internationaler Pharma- und Chemiekonzern mit weltweit 50 Tochtergesellschaften, etwa 10.000 Mitarbeitern und 2,6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2002. Über seine Ziele schreibt der Altana-Konzern: "Um das angestrebte Umsatz- und Gewinnwachstum zu realisieren, nutzen wir die Chancen der Globalisierung und werden unser Auslandsgeschäft weiter ausbauen."

Ethnisch und kulturell geprägte Konflikte in den Regionen sind für den Globalisierungsprozeß und die Mulinationalen Konzerne, die von ihm profitieren, nicht förderlich. So erklärt sich dann wahrscheinlich auch das Engagement für den "interkulturellen Dialog".

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