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„Der Toleranzbegriff wird arg strapaziert“

Nicht schlecht staunten zahlreiche Mitglieder der nordrhein-westfälischen CDU, die ein auf den 27. April datiertes, zweiseitiges Schreiben der Kölner Stadtdezernentin Ursula Christiansen (SPD) in ihren Briefkästen vorfanden. Allen Empfängern gemein ist der Protest gegen die im Kölner NS-Dokumentationszentrum ausgestellte Antifa-Schau „Rechts um und ab durch die Mitte?! Rechtsextremismus in Deutschland und was man dagegen tun kann“ (JF berichtete mehrfach). Zahlreiche Spitzenpolitiker der Unionsparteien werden dort mit ausländerfeindlichen Gewalttaten in Verbindung gebracht und dadurch indirekt für sie verantwortlich gemacht. Diese Zielrichtung und vor allem die öffentliche Unterstützung führte zu „erheblichen Irritationen um Inhalt und Zielrichtung dieses Projekts“, wie Kulturdezernentin Christiansen am Anfang des Schreibens, das der JUNGEN FREIHEIT vorliegt, bemerkt. Allerdings hat Christiansen großes Verständnis für den umstrittenen Inhalt der Ausstellung, der so viele Unionsmitglieder in Rage brachte. „Jugendliche“, so schreibt sie, „nähern sich dem Thema anders, als es Wissenschaftler machen würden – zugespitzter, plakativer und zugegebenermaßen auch provokativer.“ Sinn und Zweck solcher Projekte sei, „damit einen Anstoß zur Diskussion zu geben“, rechtfertigt Christiansen die Ausfälle und Angriffe in der Ausstellung des linken Kölner Jugendclubs Courage. „Ich bin mit der Darstellungsweise und insbesondere mit den konstruierten Kontexten nicht einverstanden“, kommt sie den Unionsmitgliedern entgegen. Christiansen geht sogar noch weiter. Sie wirft den Machern der Ausstellung „eine völlige Verkennung gesellschaftlicher und demokratischer Gepflogenheiten“ vor – was sie nicht daran hindert, wenige Zeilen zuvor lobend zu erwähnen, daß der Jugendclub Courage vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des „Aktionsprogramms für ein friedliches Miteinander und gegen Intoleranz und Rechtsradikalismus“ gefördert wird. Abschließend weist die Sozialdemokratin darauf hin, daß eine „pluralistische Gesellschaft“ eine solche Ausstellung aushalten könne: „Selbst wenn in Köln, das gebe ich zu, der Toleranzbegriff bisweilen arg strapaziert wird.“ Damit sei „überhaupt nichts geklärt“, finden hingegen die Empfänger des Schreibens, beispielsweise das Hövelhofer CDU-Mitglied Hartmut Kluge. Der engagierte Tierarzt ist enttäuscht über die Reaktion aus dem von einer schwarz-grünen Koalition regierten Köln. Indes ist die Finanzierung der Ausstellung, die in diesen Tagen durch Deutschlands Schulen tourt, weiterhin ungeklärt. Eine diesbezügliche Anfrage des CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis wurde von der Verantwortlichen Marieluise Beck (Grüne) dermaßen unbefriedigend und lustlos beantwortet, daß Geis nochmals eine persönliche Anfrage an sie richtete. Auf eine Antwort wartet das Büro des Aschaffenburger Politikers heute noch, wie eine Mitarbeiterin der JUNGEN FREIHEIT bestätigte.

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