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Heimlich, still und leise

Am Anfang klang es wie eine klassische Zeitungsente: Angela Marquardt ist aus der PDS ausgetreten. Die 31jährige Punkerin galt als Prototyp der „erneuerten“ Partei des Demokratischen Sozialismus, die sich zeitweise auch als „Gysis bunte Truppe“ darstellte. Nun, da die SED-Nachfolger wieder von dem 61jährigen Lothar Bisky geführt werden, scheint die Ex-Hausbesetzerin kein Interesse mehr an einer Mitgliedschaft aufzubringen. Über die Gründe für ihren Austritt kann jedoch nur spekuliert werden. Sie bestätigte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT zwar den Austritt aus der PDS, stand jedoch nicht für ein Interview zur Verfügung. Wörtlich erklärte sie: „Über Ihre Zeitung habe ich der Öffentlichkeit mit Sicherheit nichts mitzuteilen.“ Allerdings hat der einstige Medienliebling Marquardt auch in anderen Medien ihren Austritt nicht an die große Glocke gehängt. Bei der PDS wußten weder der Landesverband noch der Bundesverband von ihrem Austritt. Kommentieren wollten diese Gliederungen den Vorgang daher auch nicht. Auch Gregor Gysi, der sich aus der Politik zurückgezogen hat, wollte sich nicht zum Ausscheiden der von ihm protegierten Angela Marquardt äußern. Selbst der sonst so gut unterrichtete Ressortleiter Politik des Neuen Deutschland, Wolfgang Hübner, wirkte überrascht, als er davon informiert wurde. Das Ende der Mitgliedschaft der ehemaligen Bundestagsabgeordneten in der PDS ereignete sich – ganz anders, als man von Marquardt erwartet hätte – heimlich, still und leise. Es ist symptomatisch für den Niedergang der Postkommunisten. Die Partei versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Personen, die in diesem politischen Umfeld als „Hoffnungsträger“ angesehen wurden, wenden sich von ihr ab. Immerhin war Marquardt seit 1990 im Bundesvorstand und fungierte ab 1995 als stellvertretende Bundesvorsitzende. Bei der PDS fungierte sie vor allem aber auch als Verbindungsfrau zu den Autonomen und sorgte mit markigen Antifa-Äußerungen auf einschlägigen Kundgebungen stets für den ihr so angenehmen Pressewirbel. Eher unfreiwilliges Medieninteresse erregte die Aufdeckung ihrer Stasi-Mitarbeit letztes Jahr. Als 15jährige hatte sie 1987 handschriftlich verfaßt: „Ich, Angela Marquardt, verpflichte mich freiwillig, das MfS in seiner Arbeit zu unterstützen. Meine Entscheidung beruht auf meiner politischen ideologischen Überzeugung (…) Ich möchte, daß Feinde unschädlich gemacht werden und Menschen, die auf dem falschen Weg sind, geholfen wird (…) Ich werde für alle das MfS interessierende Fragen den mir bekannten Mitarbeiter informieren. Zur Wahrung der Konspiration wähle ich das Pseudonym ‚Katrin Brandt‘ (…)“ Nach ihrem letztjährigen Ausscheiden aus dem Bundestag, wo sie nicht großartig in Erscheinung getreten war, erfolgte ein Abschied auf Raten. Auch ihre Internetseite aktualisierte Marquardt nur noch sporadisch. Zuletzt scheint sie sich für die sogenannten Reformlinke in der PDS eingesetzt und das „Forum 2. Erneuerung“ unterstützt zu haben. Die Mecklenburgerin widmet sich nun vermutlich stärker der Freiheit von Lehre und Wissenschaft. Sie studiert im 15. Semester Politologie.

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