Joachim Kuhs

 

One Day in Europe – nicht in Germany

Episodenfilme haben zumeist ein Problem, nämlich das der Konsistenz. Statt einer zentralen Geschichte erzählen sie mehrere, statt eines Protagonisten gibt es unzählige. Statt eines durchgängigen Stils wird zumeist variiert. Gerade deshalb ist es vonnöten, daß die Grundidee einer solchen Kompilation trägt. Nun beherrscht aber nicht jeder dieses Metier wie etwa der amerikanische Altmeister Robert Altman. Bei Oliver Stöhrs „One Day in Europe“ (1. Mai, 20.40 Uhr, Arte) trägt die Grundidee leider nicht. Zu besichtigen sind hier: eine englische Geschäftsfrau und eine russische Rentnerin in Moskau; ein Berliner Rucksacktourist und ein schwäbischer Taxifahrer in Istanbul; ein ungarischer Pilger und ein galizischer Polizist in Santiago de Compostela sowie ein französisches Straßenkünstlerpärchen in Berlin. Sie alle sind in Gepäckdiebstähle verwickelt, müssen sich also in einem fremden Land behaupten. Multikulti-Klischees zur Abendstunde Um diesen Umstand die nötige gesamteuropäische Dramatik zu verleihen, wird selbstverständlich konsequent in Muttersprache gesprochen (deutsch untertitelt) und auch sonst auf kulturelle Klischees gesetzt. Stöhr zu seiner Motivation: „Ich wollte sehen, was passiert, wenn die russische Seele auf den englischen Humor trifft, der deutsche Michel auf das schwäbische Cleverle im Orient, der rätselhafte Ungar auf die spanische Lebensfreude.“ – Nach diesem Film müßte man zu dem Schluß kommen: Außer einer belanglosen Aneinanderreihung von Banalitäten passiert dabei nichts. – Vielleicht ist ja gerade das das Schicksal eines geeinten Europas.

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