Liebe in Dresdener Bombennacht

Dramatisches Hollywood-
Menü: eine Liebesgeschichte vor digital hergerichteter Geschichtskulisse. Es lebt von einfacher Symbolik und falschem Pathos, auf das ein historisch denkwürdiger Moment zurechtgestutzt wird. Helge Schneider merkte einmal dazu an: Spielfilme wie der Hollywoodstreifen „Titanic“ seien eigentlich gar keine Filme, sondern Industriedenkmäler. Und in der Tat verhalten sich die dürftigen Botschaften dieser Zeitgeistprodukte zumeist umgekehrt proportional zu deren Budgets, die nicht selten als oberstes Qualitätskriterium angeführt werden. Nun geht das ZDF mit seiner Version von „Dresden“, einem Film über die Bombennacht im Februar 1945, an den Start (5./6. März, jeweils 20.15 Uhr), ohne freilich das Vorbild Hollywood je zu erreichen. Dazu fehlt einfach eine Portion nationaler Selbstgewißheit und die Chuzpe, welche selbst historische Niederlagen in moralische Siege umzumünzen versteht. Konstrukt mit „aus der Luft gegriffenem“ Piloten Der Zweiteiler ist ein abenteuerliches Konstrukt aus deutsch-englischer Liebesbeziehung (Studentin und abgestürzter Bomberpilot) und deutsch-jüdischer Ehegeschichte – vor brennenden Filmkulissen, die den Untergang der barocken Kulturmetropole samt Bewohnern und durchziehenden Flüchtlingskarawanen symbolisieren sollen. Angekündigt ist „Dresden“ als Antikriegsfilm. Die ersten Zeitschriften titeln bereits „Liebe in Zeiten des Feuersturms“ oder „It’s Dresden“. – Warum denn nicht gleich „Europäische Liebesgrüße aus der Bombennacht“? Die Story jedenfalls klingt so abwegig, daß es bereits brenzlig riecht, bevor die Pyrotechniker an der Kulisse zu zündeln beginnen.

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