Zu hart für die Vernichtung

In Sichtweite des Kyffhäuser-Denkmals, in dem der Sage nach Kaiser Barbarossa so lange ruht, wie noch Krähen um den Berg kreisen, konnte in den letzen Wochen die Auferstehung eines anderen Staatsoberhauptes mitverfolgt werden. Jedenfalls fast, denn die Wiederauferstehung von Reichspräsident Paul von Hindenburg und der Eifer von Hotelbetreiber Paul Breul konnten nur durch deutsche Gesetze gebremst werden. Als Breul am 8. Juni auf dem Grundstück seines Hotels bei Grabungsarbeiten auf eine Statue des ehemaligen Reichspräsidenten stieß, ahnte er wohl nicht, welche Wellen dieser Fund schlagen würde. Die vom Berliner Bildhauer Hermann Hosaeus aus Porphyr (einem sehr harten, grünlich schimmernden Stein) geschaffene Hindenburgstatue, die 1939 am Fuße des Kyffhäuserberges aufgestellt wurde (der Auftrag wurde vom Kyffhäuserbund erteilt, dessen Ehrenpräsident Hindenburg war), stand nur sechs Jahre auf ihrem Platz. Sowjetische Soldaten entsorgten es aus ihre Weise: Was sich nicht sprengen ließ, wurde versenkt oder eben vergraben, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Das Gras wuchs 59 Jahre. Dann packte Paul Breul, der 2002 den „Landsitz Thomas Müntzer“ übernahm, das Jagdfieber, weil ihm Gäste oftmals vom vergrabenen Hindenburg erzählten. Breul, der die Statue schnell fand und einen Teil des Rumpfes ausbuddelte, konnte sich über seinen historischen Erfolg nicht lange freuen. Ob sich durch die versuchte Sprengung (siehe Interview unten) Schäden ergeben haben, vermag er noch nicht zu klären – vielleicht auch nie mehr, denn momentan ruht die Arbeit zwangsweise. Klar ist nur, daß die Füße der 3,80 Meter hohen Statue im Fundament eines angrenzenden Bürogebäudes einbetoniert sind. Sven Ostritz, Leiter des Landesamtes für Archäologische Denkmalpflege mit Museum für Ur- und Frühgeschichte in Thüringen, erklärte gegenüber der JUNGEN FREIHEIT, daß die Arbeit Breuls laut Paragraph 29 des Denkmalschutzgesetzes eine Ordnungswidrigkeit sei. Es ginge nicht darum jemanden zu kriminalisieren, so Ostritz, Breul hätte lediglich einen Antrag stellen müssen, der ihm Grabungsarbeiten genehmige. Als Denkmalschutzbehörde habe man nun allerdings die Pflicht, auf Verstöße hinzuweisen. Und diese sind nun einmal geschehen – selbst wenn Breul Pächter des Geländes ist. Man habe ihn „weder schikanieren noch drangsalieren“ wollen. Was nun mit dem Fund geschehe, sei noch unklar. Man wolle ihn auf jeden fall erhalten, meint Ostritz, „vielleicht müssen wir dafür aber sogar das Loch wieder zuschütten, wenn Frost kommt.“ Die weiteren Schritte liegen beim Landratsamt. Und das war auch nicht untätig: CDU-Landrat Peter Hengstermann scheint es irgendwie nicht ganz recht zu sein, daß in Stein gemeißelte Geschichte wieder ans Tageslicht kommt. Anstatt tatkräftig zu unterstützen, bemerkte der Unionsmann trocken, daß Breul als Pächter eigentlich gar kein Recht habe, den Koloss allein auszubuddeln. Hengstermann würde eine Aufstellung „nicht begrüßen“ hieß es aus der Pressestelle gegenüber der JF. Er habe veranlaßt, daß jetzt das Wissenschaftsministerium die Rechtsansprüche prüft und der Porphyr-Koloß möglichst bald im Museum landet. Es habe sich herausgestellt, daß die Statue keinen Besitzer hat und somit als „herrenloser Bodenfund“ dem Thüringer Landesmuseum gehöre. Eine Anfrage an das historische Museum Berlin ergab, daß man dort Interesse habe, sich aber an Kosten nicht beteilige. Glück für Breul, daß man beim Landratsamt auf Bußgelder verzichten möchte. Pech für ihn, daß er sich nicht genau über den Fundtag informierte: Am 8. Juni 1939 legte Adolf Hitler einen Kranz am Denkmal nieder. Munition genug für die Thüringer Allgemeine, die Gutmenschen vor „Horden schwarz-brauner Touristen“ zu warnen. Woran ein Schatzsucher nicht so alles denken muß! Foto: Paul Breul am Fundort: Perfekt erhaltene Statue ausgebuddelt

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