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Serie „Inventing Anna“: Nur Schein statt Sein

Serie „Inventing Anna“: Nur Schein statt Sein

Serie „Inventing Anna“: Nur Schein statt Sein

Julia Garner verkörpert die Hochstaplerin Anna Sorokin in der Netflix-Serie "Inventing Anna" Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Aaron Epstein
Julia Garner verkörpert die Hochstaplerin Anna Sorokin in der Netflix-Serie "Inventing Anna" Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Aaron Epstein
Julia Garner verkörpert die Hochstaplerin Anna Sorokin in der Netflix-Serie „Inventing Anna“ Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Aaron Epstein
Serie „Inventing Anna“
 

Nur Schein statt Sein

Warum faszinieren uns Betrüger? Vielleicht, weil sie Dinge tun, die wir uns nicht trauen. Sich Rabatte oder gleich kostenlose Aufenthalte in Luxushotels zu erschleichen und in Saus und Braus zu leben. Für manche ist es eine Mutprobe, andere verleitet ihre Gier. Die Angst, aufzufliegen, scheint sie nicht zu beschäftigen.

Die neue Netflix-Produktion beschäftigt sich mit so einer Person: Anna Delvey. Oder Anna Sorokin, wie sie wirklich heißt. Die in Rußland geborene und zeitweise in Deutschland lebende Sorokin stieg monatelang in den besten New Yorker Hotels ab, speiste in den edelsten Restaurants und verkehrte in den besten Kreisen, und das alles, ohne auch nur einen Cent davon mit ihrem eigenen Geld zu bezahlen.

Dazu trug sie immer die neueste und angesagteste Mode. Als ihr Markenzeichen fungierte eine große Sonnenbrille der Marke Céline. Sie bewegte sich wie ein Fisch im Wasser in der Schickeria und ließ die ganze Welt auf ihrem Instagram-Account daran teilhaben. Die Likes in den sozialen Medien waren ihr Zahlmittel. Nach einer gedeckten Kreditkarte fragten die geprellten Opfer erst viel zu spät.

Die Betrügerin hatte große Pläne

Ohne Übertreibung ist sie wohl die schillerndste Betrügerin der High-Society der vergangenen Jahre. Wie viele Betrüger vermochte sie es, Menschen zu manipulieren und an der Nase herumzuführen. Vor allem solche, die dachten, gegen so etwas gefeit zu sein; beispielsweise reiche New Yorker, Investmentbanker und Hoteliers.

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Um andere zu täuschen, hatte sie sich die perfekte Biographie erschaffen: eine reiche deutsche Erbin, die den Mädchennamen ihrer Mutter angenommen hat, weil der russische Name Sorokin in gehobenen Kreisen eher ein Hindernis sei, der ein millionenschwerer Treuhandfonds gehöre. Leider werde sie aber erst nach ihrem 25. Geburtstag auf diesen Zugriff haben. Groß waren nicht nur ihre Lügen, sondern auch ihre Pläne. Nichts Geringeres als einen exklusiven Club unter dem Namen ADF (Anna Delvey Foundation) wollte sie in New York eröffnen.  Ein Treffpunkt für Künstler, Mäzene, Influencer und die „big player“; sie alle sollten dort zusammenkommen. Clubs wie das Soho House würden im Vergleich dazu wie eine Armenspeisung wirken.

Die Idee war vorhanden, es fehlte nur noch der nötige Kredit. Mit gefälschten E-Mail-Konten, Unterlagen und einer unternehmerischen kriminellen Energie versuchte sie, sich das nötige Geld zu erschleichen. Fast hätte es auch geklappt. Sie flog kurz vor dem Ziel auf, wurde angeklagt und auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island inhaftiert.

Netflix soll Sorokin 300.000 Euro gezahlt haben

Bekannt wurde sie durch eine Reportage auf der Webseite „The Cut“, die Teil des New York Magazine ist. Dort zeichnete die Journalistin Jessica Pressler Sorokins Geschichte nach und half ihr so, zu einer Marke zu werden. Es gibt T-Shirts mit der Aufschrift „Fake German Heiress“, falsche deutsche Erbin, zu kaufen.

Netflix erwarb die Rechte am Stoff und soll Sorokin mehr als 300.000 Euro bezahlt haben. Viel von dem Geld blieb ihr nicht, denn das meiste ging an ihre geprellten Opfer.

Produziert wurde die Serie von Shonda Rimes, die auch schon für die Erfolgsserien „Grey’s Anatomy“ und „Bridgerton“ verantwortlich war. Die Rahmenhandlung dreht sich um Sorokin, die von Julia Garner dargestellt wird, und ihrem Counterpart, der Journalistin Vivian Kent (Anna Chlumsky). Diese widersetzt sich der Anweisung ihres Vorgesetzen, für den sie eigentlich über eine MeToo-Geschichte an der Wall Street schreiben soll, und rollt den Fall der falschen Erbin auf. Beide sind aufeinander angewiesen: Die eine, um nicht in Vergessenheit zu geraten und die andere, um nach einem journalistischen Handwerksfehler, der sie fast ihre Karriere kostete, wieder Fuß zu fassen.

Serienmacher nehmen sich künstlerische Freiheiten

Im Laufe der Serie zeigt sich, daß Sorokin mit ihrer Mischung aus Selbstverständlichkeit und Arroganz gut in der Welt der Reichen und Schönen ankam. Jede der neun Folgen befaßt sich mit Personen aus Sorokins Umwelt; der Fitneßtrainerin, ihrem (Ex)-Freund, einem Bankier und auch ihrer Familie.

Der Kern der Geschichte orientiert sich an Sorokins Leben. Einiges ist von den Machern hinzugedichtet, um die Spannung zu steigern. Deswegen beginnt jede Folge mit dem Schriftzug „Die ganze Geschichte ist vollkommen wahr. Bis auf die Teile, die komplett erfunden sind“.

Sorokin wird die meiste Zeit als kalte Egomanin dargestellt, die alles dafür tut, um ihre Ziele zu erreichen. Stellenweise wird aber auch ihre sensible Seite gezeigt; wie fragil ihr innerer Gemütszustand die ganze Zeit gewesen sein muß. In einer Szene etwa funktioniert ihre Kreditkarte nicht. Die Schauspielerin schafft es zu zeigen, wie das Kartenhaus Delvey in sich zusammenbricht.

Die wahre Anna Sorokin sitzt mittlerweile wieder hinter Gittern. Nach einem kurzen Aufenthalt in Freiheit wurde sie wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsrecht erneut verhaftet. Die Serie bleibt trotzdem ein Erfolg und auch für Sorokin gilt vielleicht die Devise: „Fake it til you make it“.

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Die neun Folgen von „Inventing Anna“ sind auf Netflix verfügbar. 

Julia Garner verkörpert die Hochstaplerin Anna Sorokin in der Netflix-Serie „Inventing Anna“ Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Aaron Epstein
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