Kameras und Mikrofone
Kameras und Mikrofone verschiedener Medien (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa
„Neue deutschen Medienmacher“

Migrantenorganisation beklagt zu wenig ausländischstämmige Chefredakteure

BERLIN. In den Redaktionen und Chefetagen deutscher Medienhäuser und Zeitungsverlage gibt es nach Ansicht der „Neuen deutschen Medienmacher“ zu wenige Journalisten mit ausländischen Wurzeln. Aus einer Befragung der reichweitenstärksten 122 Medien gehe hervor, daß lediglich sechs Prozent der Chefredakteure einen Migrationshintergrund hätten, beklagte die Organisation in einer Mitteilung vom Montag. Bei ihrer Untersuchung wurden die „Neuen deutschen Medienmacher“ nach eigenen Angaben von der Kommunikationswissenschaftlerin Christine Horz von der Technischen Hochschule Köln beraten.

Von den 126 angeschriebenen Chefredakteuren der 122 Medien hätten 90 Befragte geantwortet. Acht von ihnen hätten einen Migrationshintergrund aufgewiesen. Allerdings sei unter ihnen keiner gewesen, der eine außereuropäische Herkunft habe. Die vertretenen Nationalitäten seien österreichisch, luxemburgisch, dänisch, niederländisch, irisch, italienisch, rumänisch und griechisch. Die Länder der größten Einwanderergruppen in Deutschland – Türkei, Rußland und Polen – seien dagegen nicht vertreten gewesen.

„Erstaunliche Homogenität“

Auch gebe es keinen einzigen schwarzen Chefredakteur („People of Color“). „Die wenigen Chefredakteur*innen mit Migrationshintergrund gehören mehrheitlich zu Einwanderergruppen, die im öffentlichen Diskurs nicht als ʿfremdʾ kodiert werden.“ Damit wiesen die Chefredakteure in deutschen Massenmedien für eine Gesellschaft, die sich seit mindestens zwei Jahrzehnten als Einwanderungsland verstehe, eine „erstaunliche Homogenität“ auf. „Umgekehrt: Sichtbare Minderheiten bleiben außer vor“, kritisierten die „Neuen deutschen Medienmacher“.

Gleichzeitig bemängelte die Journalisten-Organisation, daß nahezu sämtliche deutsche Medienhäuser keine Erkenntnisse darüber hätten, welche Redakteure einen „Migrationshintergrund oder ähnliche Diversitätsmerkmale“ hätten. Somit wüßten sie auch nicht, „wie vielfältig beziehungsweise homogen ihre Redaktionen sind“.

Die Geschäftsführerin des Vereins, Konstantina Vassiliou-Enz, warnte deshalb: „Vielen deutschen Medien droht, daß sie den Anschluß an die Realität in Deutschland verlieren. Schon heute hat in vielen Großstädten die Mehrheit der eingeschulten Kinder einen Migrationshintergrund.“ Medienwissenschaftlerin Horz sieht hier besonders den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk in der Pflicht: „Vor allem öffentlich-rechtliche Sender sollten aufgrund ihres Auftrags die gesellschaftliche Vielfalt abbilden, sich als Vorreiter präsentieren und endlich nachhaltige Diversitätsstrategien konzipieren.“

Neue Zielgruppen

Laut den „Neuen deutschen Medienmachern“ seien „die Communities eingewanderter Menschen“ große Zielgruppen, die als Publikum mitgedacht werden sollten. „Diversität im Programm bzw. der Publikation kann die Reichweite und Auflage steigern und bringt Sie als Arbeitgeber*in für Menschen aus Einwandererfamilien ins Spiel.“

Die „Neuen deutschen Medienmacher“ sind ein Verein, der sich als „Interessenvertretung für Medienschaffende mit Migrationsgeschichte“ versteht und für eine „ausgewogene Berichterstattung“ eintritt, „die das Einwanderungsland Deutschland adäquat wiedergibt“.

Dem Vorstand des Vereins gehört unter anderem die türkischstämmige Journalistin Ferda Ataman an, ebenso wie die frühere Sprecherin von Alt-Bundespräsident Joachim Gauck, Ferdos Forudastan. Allerdings sind nicht alle Journalisten mit Migrationshintergrund in der Vereinigung erwünscht.

In der Vergangenheit machten die „Neuen Deutschen Medienmacher“ unter anderem als Sprachwärter auf sich aufmerksam, die Journalisten vorscheiben wollten, wie diese über die Asylkrise zu berichten hätten. Statt „Flüchtlingswelle“ solle man „Zuzug“ schreiben, statt „Asylant“ lieber „Schutzsuchender“. Und für Menschen aus Einwandererfamilien empfehle sich der Begriff „Diverskulturelle“. (krk)

Kameras und Mikrofone verschiedener Medien (Symbolbild) Foto: picture alliance / dpa

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