UNICEF
UNICEF-Foto des Jahres 2015 (aufgenommen am 21. August 2015) Foto: picture alliance/dpa
Die „taz“ und die Flüchtlinge

Die Macht der Bilder

HAMBURG. Zwei weinende Kinder umringt von Spezialkräften der Mazedonischen Polizei. Darunter die Bildunterschrift: „Die Polizei scheut keine Mittel, um die Geflüchteten abzuhalten.“ So bebilderte die taz am Montag eine dpa-Meldung über den versuchten Sturm auf den Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien. Überschrift: „Tränengas gegen die Geflüchteten.“

Während andere Medien, sich entschlossen, ihren Lesern zu zeigen, wie eine überwiegend aus Männern bestehende aggressive Menge versuchte, den Grenzzaun niederzureißen und nur mit Mühe von der Polizei gestoppt werden konnte, setzte die taz auf weinende Kinderaugen. Die Botschaft: Seht her, so grausam ist die Festung Europa.

Aufgenommen am 21. August 2015

Meldung auf der Internetseite der „taz“ Ausschnitt: JF
Meldung auf der Internetseite der „taz“ Ausschnitt: JF

Dumm nur, daß sich die Redakteure der taz nicht für irgendein Foto entschlossen hatten, sondern ausgerechnet für das UNICEF Foto des Jahres 2015. Aufgenommen von Georgi Licovski am 21. August 2015 in der Nähe von Gevgelija, der dafür im vergangenen Dezember ausgezeichnet worden war.

Daß es sich um kein aktuelles Bild handelt, fiel allerdings schon dadurch auf, daß die Polizisten darauf kurzärmelige Hemden tragen. Das bemerkten offenbar auch mehrere Leser, unter anderem in der Kommentarspalte zur Meldung, denn nach einiger Zeit ergänzte die taz kommentarlos die Bildunterschrift um den Klammerzusatz „Archivbild“.

UNICEF-Foto des Jahres 2015 (aufgenommen am 21. August 2015) Foto: picture alliance/dpa

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