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Kryptische Botschaft: Deutsch als „Elter-1-Sprache“

Kryptische Botschaft: Deutsch als „Elter-1-Sprache“

Kryptische Botschaft: Deutsch als „Elter-1-Sprache“

Muttersprache
Muttersprache
Wenn diplomatische Wortpanscher am Werk sind, gerät Sprache leicht zum Buchstabensalat Foto: picture alliance / ZB | Jens Kalaene
Kryptische Botschaft
 

Deutsch als „Elter-1-Sprache“

Satz mit X, das war wohl nix. Als am Montag der von der Unesco ausgerufene internationale Tag der Muttersprache begangen wurde, hatte auch die Deutsche Botschaft in Bangkok eine kleine Stellungnahme vorbereitet. Als deutsche Auslandsvertretung, auf die die Scheinwerfer der Weltpolitik eher seltener gerichtet sind, muß man die wenigen Gelegenheiten nutzen, sich und die eigene Progressivität ins rechte Licht zu setzen.

Also veröffentliche die Botschaft ein buntes Bild auf ihrer Internetseite, auf dem die Weltöffentlichkeit darüber informiert wurde, daß 130 Millionen Menschen Deutsch als Erst- oder Zweitsprache sprechen. Nun hätte es nahegelegen, am Tag der Muttersprache von Muttersprache zu sprechen, doch genau das erschien der Deutschen Botschaft in Bangkok offenbar als zu rückwärtsgewandt, altbacken und nicht fortschrittlich genug.

Daher benannte sie den Tag der Muttersprache kurzerhand in „Internationalen Tag der Elter-1-Sprache“. In ihrem Posting auf Facebook schrieben die Diplomaten: „Wußten Sie, daß rund 130 Millionen Menschen Deutsch als Elter-1- oder Zweitsprache sprechen?“ Und weiter: „Deutsch ist die meistgesprochene Elter-1-Sprache in der Europäischen Union und Amtssprach in sieben Ländern.“ Aha.

Botschaft „eigenständig verantwortlich“

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Nun ist die Partei, die seit dieser Legislaturperiode die Außenministerin stellt, bekannt dafür, daß sie sich den Kampf für Geschlechtergerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hat und jeglicher Diskriminierung auf Grund des biologischen, soziologischen oder eingebildeten Geschlechts den Garaus machen möchte.

Gut möglich also, daß die sperrige „Elter-1“-Formulierung auf eine neue interne Richtlinie des Auswärtigen Amts zurückging. Doch eine Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT am Werderschen Markt in Berlin ergab, daß die Deutsche Botschaft nicht auf Weisung Annalena Baerbocks gehandelt hatte, sondern vielmehr auf eigene Faust als Klassenbester glänzen wollte.

So viel Strebertum kam dann selbst im grünen Außenministerium nicht gut an. Wenige Stunden, nachdem die JF angefragt hatte, verschwand der Post von der Facebook-Seite der Botschaft. Die Pressestelle des Auswärtigen Amts betonte in ihrer Antwort zudem, daß die Botschaft in Bangkok für ihren Facebook-Auftritt „eigenständig verantwortlich“ sei.

„Mißverständlicher Eintrag“

Dies hinderte Berlin aber möglicherweise nicht daran, den Außenposten in Thailand darauf hinzuweisen, daß seine Stellungnahme zum Tag der Muttersprache eher weniger gelungen formuliert war. Oder, wie es die Pressestelle des Auswärtigen Amtes diplomatisch ausdrückte: „Da der Eintrag mißverständlich war, wurde er mittlerweile von der Facebook-Seite der Botschaft gelöscht.“

Bleibt abzuwarten, ob die Diplomaten in Bangkok in Zukunft etwas zurückhaltender auftreten werden, wenn es darum geht, die Bundesrepublik sprachpolitisch hyperkorrekt im Ausland zu vertreten. Die nächsten Nagelproben hierfür bieten sich dann im Mai. Genauer gesagt am 8. und 26. Mai. Dann wird sich zeigen, ob man in der Botschaft in Bangkok Mutter- beziehungsweise Vatertag feiert oder Elter-1- und Elter-2-Tag.

Wenn diplomatische Wortpanscher am Werk sind, gerät Sprache leicht zum Buchstabensalat Foto: picture alliance / ZB | Jens Kalaene
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