Auf dem im März veröffentlichten Video scheint ein Rettungssanitäter einen Flüchtling zu schlagen. Die Aufnahmen sorgten deutschlandweit für Aufregung Foto: Bild
Auf dem im März veröffentlichten Video scheint ein Rettungssanitäter einen Flüchtling zu schlagen. Die Aufnahmen sorgten deutschlandweit für Aufregung Foto: Bild

Gewaltvorwürfe von Flüchtling
 

Faustschlag-Video: Verfahren gegen Rettungssanitäter wird eingestellt

KASSEL. Die Staatsanwaltschaft Kassel hat die Ermittlungen gegen einen Rettungssanitäter und zwei Polizisten wegen eines angeblichen Übergriffs auf einen Flüchtling eingestellt. Der auf einem Video festgehaltene Faustschlag des Ersthelfers laße sich nicht zweifelsfrei als tätlicher Angriff auf den Syrer werten, teilte die Staatsanwaltschaft Kassel laut Hessischem Rundfunk (HR) am Mittwoch mit. „Das ausgewertete Videomaterial gibt den genauen Treffer des Schlages nicht wieder. Die vom Bundeskriminalamt gefertigten Einzelbilder begründen indes berechtigte Zweifel daran, daß der in Rede stehende Schlag den 33jährigen im Gesicht traf.“

Im März soll der 45jährige einen auf einer Liege fixierten Migranten ins Gesicht geschlagen haben, nachdem dieser betrunken mit einem Feuerlöscher in seiner Asylunterkunft randaliert und die eintreffenden Einsatzkräfte angespuckt hatte. Deutschlandweit hatten sich Politiker über das auf Video festgehaltene Verhalten des Sanitäters und zweier anwesender Polizisten empört, die nach dem vermeintlichen Faustschlag nicht in die Situation eingriffen.

Arbeiter-Samariter-Bund will Sanitäter nicht wieder anstellen

„Unabhängig davon, wie sich die fixierte Person zuvor gegenüber dem Sanitäter verhalten haben mag, ist es völlig inakzeptabel eine wehrlose Person zu schlagen“, unterstrich damals etwa der hessische Innenminister, Peter Beuth (CDU), in der Bild-Zeitung. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfang Kubicki, ging sogar noch einen Schritt weiter und forderte die Staatsanwaltschaft dazu auf, Ermittlungen gegen die Einsatzkräfte aufzunehmen.

Dem beim Arbeiter-Samariterbund tätigen Sanitäter wurde kurz nach Bekanntwerden des Videos fristlos gekündigt. Gegen die beiden Polzisten sind Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Der Geschäftsführer des hessischen Arbeiter-Samariter-Bundes will die Entlassung nach Bekanntwerden der Ermittlungsergebnisse allerdings nicht wieder zurücknehmen. „Der Vorgang ist eine krasse Verletzung unserer Werte, wie Hilfsbereitschaft und Toleranz. Deswegen stehen wir zu dieser Entscheidung“, erläuterte er seine Position im HR.

Gewerkschaft der Polizei nimmt Kollegen in Schutz

Auch das Disziplinarverfahren gegen die beiden Polizisten wird nicht eingestellt. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Stefan Rüppel, kritisierte diese Entscheidung. „Es handelt sich um zwei sehr junge Kollegen die ganz wenig Diensterfahrung hatten und die in diesem Moment, mit dieser Situation, etwas überfordert waren.“ Trotzdem hätten die beiden ordnungsgemäß die Personalien aller Beteiligten aufgenommen und die Ereignisse im Dienstbericht festgehalten. „Da wurde von Anfang an nichts vertuscht.“

Der Anwalt des Sanitäters behielt sich unterdessen rechtliche Schritte gegen den Syrer vor. Auch wenn die Ermittlungen nunmehr vom Tisch seien, habe sein Mandant einen Schaden davongetragen. „Hinter ihm liegen Monate der Vorverurteilung sowie der Verlust des Arbeitsplatzes durch die unwahre Berichterstattung einer großen überregionalen Tageszeitung“, äußerte der Jurist. (fw)

Auf dem im März veröffentlichten Video scheint ein Rettungssanitäter einen Flüchtling zu schlagen. Die Aufnahmen sorgten deutschlandweit für Aufregung Foto: Bild
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