Szene aus der Verfilmung von George Orwells "1984": Wenn Totalitarismus als Meinungsfreiheit verkauft wird Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
Szene aus der Verfilmung von George Orwells „1984“: Wenn Totalitarismus als Meinungsfreiheit verkauft wird Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images

„Woche der Meinungsfreiheit“
 

Sanfter Totalitarismus kann so lustig sein

Haben Sie es schon mitbekommen? Wir befinden uns gerade mitten in der „Woche der Meinungsfreiheit“. Falls Sie diesen frischen Wind des offenen Diskurses, der uns seit Montag eigentlich umwehen müßte, noch nicht so richtig unter ihren geistigen Flügeln spüren konnten, liegt das möglicherweise daran, daß die Aktionswoche vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiiert wurde.

Dieser Interessenverband schürt seit Jahren die sowieso schon feindselige Stimmung in der Branche gegen alle Verlage, Autoren und Publikationen, die der linken Literaturschickeria „zu rechts“ sind. Das tut er nicht zuletzt auch als Veranstalter der Frankfurter Buchmessewo der Verein unter anderem die JUNGE FREIHEIT im wahrsten Sinne des Wortes immer mehr in den hinterletzten Winkel des Messegeländes gedrängt hat. Auch vor der Unterstützung von linksradikalen Protestgruppen und Aktionen schreckten die vermeintlichen Verteidiger der Meinungsfreiheit dabei nicht zurück.

So geht es auch bei der „Woche der Meinungsfreiheit“ vor allem um eine Sache: der Bekämpfung von allen Meinungen, die in den Augen der Kampagnenmacher für Haß und Hetze stehen. Diese werden nämlich „nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern beschädigen sie“; so steht es jedenfalls in der offiziellen Charta der Aktion.

„Meinung zählt nicht“

Die Meinungsfreiheit ende da, „wo die Würde eines Menschen angegriffen wird“, finden die Verfasser der „elf Punkte der Charta der Meinungsfreiheit“. Wo genau für sie die Würde des Menschen anfängt und die Meinungsfreiheit somit endet, schreiben sie nicht explizit. Einige Parolen von den Plakaten der Aktionswoche lassen es aber erkennen.

„Meinung zählt nicht, wenn ich sie ohne Anstand und Empathie äußere“, verkündet zum Beispiel Radiomoderatorin Evren Gezer. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt, was man über die Wahrhaftigkeit dieser Woche der Heuchler wissen muß.

Leuten durch eine Meinungsfreiheitskampagne mitzuteilen, daß ihre Meinung überhaupt nicht zähle, wenn sie nicht in der „richtigen“ Form vortragen werde, ist in etwa so, als würde man am „Tag der gesunden Ernährung“ die Teilnehmer zum Essen in ein US-amerikanisches Schnell-Restaurant einladen. Wirklich ernst gemeint kann es jedenfalls nicht sein, wenn Einschränkungen der Meinungsfreiheit als #MehrAlsMeineMeinung verkauft werden sollen.

Zu den stärksten Unterstützern dieser Umdeutung der Meinungsfreiheit gehört der Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt. Der Präsident des Kubs, Peter Fischer, der in der Vergangenheit bereits deutlich machte, daß er keine AfD-Wähler als Vereinsmitglieder will, spielt gar mit Anleihen an George Orwell. „Ich setze mich für Rechte ein“, heißt es auf seinem Plakat. Weiter: „Besonders für das Recht auf Meinungsfreiheit“. Der sanfte Totalitarismus kann so lustig sein. Zumindest, wenn man auf der „richtigen“ Seite steht.

Szene aus der Verfilmung von George Orwells „1984“: Wenn Totalitarismus als Meinungsfreiheit verkauft wird Foto: picture-alliance / akg-images | akg-images
Ahriman Verlag Heilige Henker
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles