Ökonom und Autor Walter Krämer: Kritisiert Gendersprech
Ökonom und Autor Walter Krämer: Kritisiert Gendersprech Foto: picture alliance / dpa | Horst Galuschka

„Würdeloses Anbiedern an Zeitgeist“
 

Ökonom und Sprachschützer empört über Gendersprech in katholischer Kirche

HILDESHEIM. Der Ökonom und Gründer sowie Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer, hat sich entsetzt über den Einsatz des Bistums Hildesheim für Gendersprech gezeigt. Anlaß ist die Veröffentlichung einer Handreichung mit dem Titel „Geschlechtersensible Sprache“. Kramer bezeichnete dies in einem Brief an Bischof Heiner Wilmer als „würdelose Anbiedern an den schwankenden Zeitgeist“. Dabei habe er die Kirche immer als „Fels in der Brandung des modernen turbulenten Zeitgeschehens“ wahrgenommen.

Die Gendersprache grenze aus, sei behinderten- und fremdenfeindlich und „einer Unterstützung durch die katholische Kirche dermaßen unwürdig, daß ich es bis heute nicht begreifen kann“, kritisierte Kramer. In dem Schreiben äußerte der Sprecher der Stiftung Deutsche Sprache zugleich seine Absichten, die Kirche zu verlassen. „Nach 72 Jahren plane ich nun für das Ende des Jahres meinen Austritt aus der katholi­schen Kirche. Haben Sie Argumente, warum ich bleiben sollte? Wenn sich die katholi­sche Kirche weiter an der Vergewaltigung der deutschen Sprache beteiligt, bleibe ich jedenfalls nicht.“

Bistum rechtfertig Leitfaden mit „Respekt und Wertschätzung füreinander“

Der Brief kursiert seit einigen Tagen in christlichen Foren. Kramer, der an der Technischen Universität Dortmund Wirtschafts- und Sozialstatistik lehrt, bestätigte nun gegenüber dem katholischen Nachrichtenportal kath.net dessen Echtheit. Die Handreichung ist laut dem Bistum vom Stabsreferat Gleichstellung im bischöflichen Generalvikariat in Kooperation mit Verbänden und Einrichtungen des Bistums Hildesheim erarbeitet worden.

„Als Bistum sollten wir stets eine Vorbildfunktion bei der Realisierung von Toleranz, Fairneß, Gleichberechtigung und Offenheit beanspruchen. Respekt und Wertschätzung füreinander kommen auch in unserer Sprache zum Ausdruck“, rechtfertigte Generalvikar Martin Wilk die im Juni erschienene Broschüre.

Darin wird den Katholiken auf 17 Seiten empfohlen, wie sie angeblich geschlechtsneutraler sprechen und schreiben könnten. So gelte es, neutrale Worte zu verwenden, „um Geschlechterstereotype hinter scheinbar neutralen Begriffen zu vermeiden“. Als Beispiele unter diesem Punkt werden „Redepult“ statt „Rednerpult“, „Zigarettenpause“ statt „Raucherpause“ oder „Personalbefragung“ statt „Mitarbeiterbefragung“ genannt.

„Die Leitenden“ statt „die Leiter“

Auch solle man „den Fokus vom Wer auf das Was lenken“. Anstelle von „Der*die Lehrer*in stellt die Kopien vorher zur Verfügung“ solle man lieber „Die Kopien werden vorher zur Verfügung gestellt“ sagen. Überdies empfiehlt der Leitfaden, substantivierte Partizipien zu benutzen. Statt „die Studenten“ sei es besser, „die Studierenden“ zu sagen, statt „die Leiter“ lieber „die Leitenden“.

Ob Medien, Unternehmen, Behörden oder Kirchen: Der Gendersprech hält seit Jahren Einzug in immer mehr gesellschaftliche Bereiche. Und das obwohl mehrere Umfragen – darunter auch eine Erhebung im Auftrag der JF – zeigen, daß die Mehrheit der Deutschen dies als störend empfindet. (ls)

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