TSG Hoffenheim
Fans des FC Bayern München zeigen ein Anti-Hopp-Banner während des Spiels gegen die TSG Hoffenheim Foto: picture alliance/augenklick
Politische Konflikte in der Fußballbundesliga

Kulturkampf im Stadion

Die politische Polarisierung der Gesellschaft hält in alle Teile des Lebens Einzug. So wird das Privatleben zunehmend politischer, auch Fußballstadien sind von dieser Entwicklung nicht ausgenommen, wie die vergangenen Bundesligaspieltage offenbarten.

Während des Spiels zwischen dem FC Bayern München und der TSG Hoffenheim am Samstag zeigten die Münchner-Anhänger Schmähplakate gegen den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel zweimal. Funktionäre des FC Bayern wie Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge solidarisierten sich mit Hopp. Der SAP-Gründer gilt vielen Fußball-Fans als Feindbild wegen seiner Millionen, mit denen er den Dorfklub aus Hoffenheim in die Bundesliga führte.

Die Schmähtransparente beim jüngsten Bayern-Spiel waren allerdings auch eine Reaktion auf eine Entscheidung des DFB. Dieser hatte verfügt, daß Borussia Dortmund zwei Jahre lang bei Spielen in Hoffenheim ohne eigene Fans antreten muß. Hintergrund waren vorangegangene Beleidigungen der Borussen-Anhänger gegen Hopp. Die Ultra-Szene sieht in dem Urteil einen Bruch des DFB-Versprechens, keine Kollektivstrafen mehr zu erlassen.

Daß sich nun Trainer und Verantwortliche der anderen Klubs auf Hopps Seite stellen, rief am Wochenende scharfe Kritik bei Teilen der Fans und Journalisten hervor. Ihr Vorwurf lautet, daß nun ein „alter, reicher, weißer Mann“ von seinesgleichen gegen Schmähungen und Diskriminierung in Schutz genommen werde. Doch bei rassistischen Beleidigungen gegen farbige Spieler hätten die Fußball-Bosse geschwiegen.

Fans werfen Vereinsbossen Verharmlosung von Rassismus vor

Aktuell rühren politisch interessierte Fan-Gruppen die aktuellen Ereignisse um Hopp mit Vorgängen während des Pokalspiels zwischen Schalke 04 und Hertha BSC zusammen, als ein Hertha-Spieler rassistisch beleidigt worden sein soll. So verlangen linke Fan-Initiativen einen verstärkten Kampf „gegen Rechts“ in den Stadien.

Bereits am vorherigen Spieltag hatten Gladbacher-Fans auf Plakaten Hopp in einem Fadenkreuz abgebildet. Vertreter des Bundesligisten aus dem Rheinland distanzierten sich aufs schärfste davon und verglichen derartige Ausfälle mit dem Amoklauf von Hanau. Damit war die nächste Eskalationsstufe erreicht, und der Ball wurde von linken Fan-Gruppen aufgenommen. In Fan-Foren wird von einer Verharmlosung des Rassismus gesprochen.

Auch während des Heimspiels von Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg zeigten Fans ihre Abneigung gegenüber Hopp und dem Deutschen Fußballbund (DFB) Foto: picture alliance/Andreas Gora/dpa

Auf der Kölner Fan-Seite „effzeh.com“ folgert man daraus: „Bei Rassismus und Sexismus gibt es von den weißen, alten Männern des deutschen Fußballs für die Opfer nur daher gesagte Floskeln. Bei Beleidigungen gegen einen Milliardär aus den eigenen Reihen folgt die Kriegserklärung.“

Böhmermann mischt wieder mit

Die Fronten zwischen Teilen der Fans und den Vereinen verhärten sich. Beobachter rechnen für die kommenden Spieltage mit weiteren Provokationen der Anti-Hopp-Fraktion in den jeweiligen Vereinen. Spielabbrüche werden damit wahrscheinlicher.

Die Vereinsbosse rufen derzeit zur Mäßigung der Kritik am Hoffenheimer Mäzen auf. Doch je mehr mit politischen Scheinargumenten – Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie – von Fan-Gruppierungen Öl ins Feuer gegossen wird, desto weiter dreht sich die Eskalationsschraube. Da paßt es ins Bild, wenn auch der TV-Moderator Jan Böhmermann seinen Senf dazu gibt und darauf verweist, daß Hopps Vater einst bei der SA war. So erweitert er das linke Feindbild das alten, weißen Kapitalisten noch um einen weiteren Aspekt: Die NS-Vergangenheit der Familie.

So tobt auf den Stadionrängen der politische Streit weiter. Eine politikfreie Auszeit ist dort offenbar derzeit nicht möglich – und wohl auch nicht erwünscht.

In den Vergangenheit hatten bereits mehrere Vereine politisch Stellung bezogen. So traten die Bundesligisten Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, Hertha BSC Berlin und der VfL Wolsburg der Charta der Vielfalt bei, um sich stärker gegen Rassismus zu engagieren. RB Leipzig setzte am vergangenen Wochenende mit einer Choreographie ein Zeichen für „Lieben und Frieden“. Dem Fan wird es unmöglich gemacht, sich derartiger Stellungnahmen zu entziehen, sofern er seinen Verein nicht boykottiert.

Fans des FC Bayern München zeigen ein Anti-Hopp-Banner während des Spiels gegen die TSG Hoffenheim Foto: picture alliance/augenklick

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